Brüsseler Eurostadion vor dem definitiven Aus?

Die zuständige flämische Umwelt- und Baubehörde hat nach der Gemeinde Grimbergen und der Provinz Flämisch-Brabant ebenfalls ein negatives Gutachten zu den Projektplänen (Foto) zum Neubau eines Stadions am Stadtrand von Brüssel erteilt. Das berichtet die Börsenzeitung „De Tijd“ in ihrer Samstagsausgabe.

Aufgrund dieser Einschätzung muss nun die christdemokratisch flämische Landesumweltministerin Joke Schauvliege bis spätestens zum Monatsende entscheiden, ob das Stadion gebaut werden kann oder nicht. Wegen der bisherigen Verzögerungen hatte die UEFA schon Anfang Dezember Brüssel als Austragungsort für die Fußball-Europameisterschaft 2020 gestrichen. Auch hatten sich bereits Belgiens Rekordmeister RSC Anderlecht und Belgiens Fußballnationalmannschaft, die Roten Teufel, gegen einen Umzug in das neue Stadion ausgesprochen.

Die Behörde hebt in ihrem Gutachten zwei Kritikpunkte an den Stadionplänen hervor. Zum einen werde die Verkehrssituation um das Stadion herum zu wenig bedacht. Kritisiert wird vor allem, dass in den Projektplänen zu wenig an Fußgänger und Fahrradfahrer sowie an die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr gedacht worden sei. Auch die Auswirkungen auf den Autoverkehr seien zu wenig berücksichtigt worden. Wegen des Stadion drohe eine Verkehrsinfarkt auf dem Brüsseler Ring.

Zum anderen übersteige die Grundfläche des Stadionprojekts bei weitem die vorgeschriebenen Maximalgrenzen für Freizeitanlagen auf städtischem Gebiet. Statt den maximal erlaubten 50.000 Quadratmetern würde das Stadion-Projekt genau die doppelte Fläche umfassen. Die Projektbeschreibung arbeite mit falschen Zahlen.

Dass Umweltministerin Schauvliege aufgrund dieser Einschätzung bis Ende Januar noch grünes Licht zum Bau des Stadions gibt, gilt als unwahrscheinlich. Zumal auch der Koalitionspartner N-VA und die betroffene Gemeinde das Projekt resolut ablehnen. Gegen die Entscheidung der Ministerin kann der Bauherr Ghelamco allerdings noch Berufung einlegen.

Als wahrscheinlich gilt, dass ein neues Brüsseler Nationalstadion aber nur nach neuen Plänen gebaut werden kann. Oder aber doch durch den Umbau des bestehenden Brüsseler König-Baudouin-Stadions.