Demo gegen Flexi-Jobs im Einzelhandel in Belgien

Rund 200 militante Gewerkschaftler haben am Mittwoch vor dem Hauptsitz von Comeos in Oudergem bei Brüssel, dem Arbeitgeberverband im belgischen Einzelhandel, gegen die Flexi-Jobs protestiert. Im Rahmen dieser Aktion führten einige Delegierte der Gewerkschaften ein nach Angaben aller Beteiligter „konstruktives Gespräch“ mit Vertretern von Comeos.

Die gemeinsame Aktion der Angestellten-Gewerkschaften BBTK-SETCa (sozialistisch), LBC-CNE (christlich) und ACLVB-CGSLB (liberal) dauerte etwa 2 Stunden am Mittwochmorgen. Die Arbeitnehmervertreter wollten dem Einzelhandel deutlich machen, dass die Arbeitsbedingungen in diesem Sektor, genau wie die Preise im Ausverkauf, nach unten korrigiert werden.

Die Beschäftigten im hiesigen Einzelhandel sollten weiterhin eine Aussicht auf ganztägliche Beschäftigung mit Arbeitsverträgen von unbefristeter Laufzeit und „anständiger Bezahlung“ haben. Die Gewerkschaften hatten bereits Ende des vergangenen Jahres bei der belgischen Bundesregierung gegen deren Pläne, den Arbeitsmarkt flexibler zu gestalten, protestiert.

Der Einzelhandel, so Comeos-CEO Dominique Michel, habe derzeit keine Nachfrage nach Flexi-Jobs: „Doch es ist für die Zukunft wünschenswert, die Möglichkeit zu haben, uns anzupassen. Was wir wollen, ist eine umfassende Diskussion über Flexibilität und keine Gespräche über eine Maßnahme alleine.“

Die Gewerkschaften waren zufrieden nach dem Gespräch mit der Comeos-Spitze, legten allerdings Wert darauf, dass sich Arbeitgeber, die im Einzelhandel doch Flexi-Jobs einführen würden, auf eine Aufhebung des „sozialen Friedens“ gefasst machen müssen. Der Ball liege im Lager der Arbeitgeber, so das Fazit der Arbeitnehmervertreter.

Zu viele Teilzeitbeschäftigte?

Die Gewerkschaften betonten allerdings auch, dass sechs von 10 Beschäftigten im belgischen Einzelhandel nur über Teilzeitverträge arbeiten würden und dies zu Löhnen oder Gehältern, die zu den niedrigsten Tarifen des Landes gehören würden. Viele von ihnen würden nichts lieber wollen, als mehr zu arbeiten, doch dies würden neue Beschäftigte, die über Flexi-Jobs eingestellt würden, unmöglich machen, so ein Gewerkschaftler dazu.

Was sind Flexi-Jobs?

Flexi-Jobs erlauben, stundenweise nebenbei zu arbeiten, ohne dass man darauf Steuern oder Sozialabgaben entrichten muss. Laut einer Meldung der flämischen Wirtschaftszeitung De Tijs üben derzeit etwa 28.500 Menschen in Flandern einen solchen Job aus. Die Zahl der Flexi-Jobs wird im belgischen Bundesland Flandern dieses Jahr zweifellos weiter ansteigen, denn seit dem 1. Januar beschränkt sich diese Möglichkeit nicht mehr nur auf Jobs in der Gastronomie.

Jetzt kann der Einzelhandel ebenfalls solche Nebenverdienstmöglichkeiten anbieten. Während diese Möglichkeit des Hinzuverdienens in Flandern immer beliebter wird, scheint dies in der Region Brüssel-Hauptstadt und in der Wallonie nicht so populär zu sein. Hier fehlen dazu offenbar schon die Angebote von Seiten der Arbeitgeber.