Brüssel: Demo verhindert Aktion gegen Sudanesen

Am Sonntagabend haben rund 2.000 Demonstranten eine Aktion der Polizei und der Ausländerbehörden gegen illegale Einwanderer aus dem Sudan im Viertel zwischen dem Brüsseler Nordbahnhof und dem Maximilianpark verhindert. Die Polizei hatte von dieser Aktion aber Wind bekommen und verlagerte ihren Einsatz auf die Suche nach illegalen Einwanderern in Zügen der belgischen Eisenbahn.

Menschenrechtsbewegungen hatten über eine undichte Stelle entweder bei der Polizei oder bei den Asylbehörden vernommen, dass für Sonntagabend eine weitere Aktion gegen illegale Einwanderer aus dem Sudan, sogenannte „Transmigranten“, die von Brüssel aus die letzte Etappe auf dem Weg zu den britischen Inseln antreten wollen, geplant war. Daraufhin taten sich mehrere Unterstützergruppen aus Solidarität zusammen, um diese Aktion auch als Protest gegen den umstrittenen belgischen Staatssekretär für Asyl und Einwanderung, Theo Francken (N-VA), zu verhindern.

Die Polizei hatte wiederum rasch von der geplanten Aktion der Menschenrechtler vernommen und verlagerte ihren Einsatz auf die Kontrolle von Reisenden in den Zügen der belgischen Bahn und auf den Bahnsteigen des Bahnhofs Brüssel-Nord. Dabei wurden insgesamt 17 Personen ohne gültige Ausweispapiere aufgegriffen. Währenddessen hielten sich im Maximilianpark keine Flüchtlinge aus dem Sudan mehr auf. Diese waren wohl von den Menschenrechtsaktivisten gewarnt worden.

Belgiens Asylstaatssekretär Francken musste in Sachen Vorgehensweise gegen „Transmigranten“ aus dem Sudan viel Kritik einstecken, da er einige aufgegriffene sudanesische Flüchtlinge mithilfe von Beamten aus dem Sudan identifizieren ließ, um diese dann abschieben zu können. Doch mindestens neun von ihnen wurden bei der Rückkehr in ihr Heimatland von den dortigen Behörden misshandelt und gefoltert.

Probleme über Probleme

In Belgien jedoch nehmen die Probleme mit dieser Personengruppe immer mehr zu. Die meisten von denen, die über Brüssel versuchen, nach Großbritannien zu gelangen, versuchen dies per LKW auf den Autobahnparkplätzen in Richtung der Häfen von Zeebrügge oder dem nordfranzösischen Calais. Erst in der vergangenen Woche war es zu schweren gewalttätigen Zusammenstößen zwischen sudanesischen Flüchtlingen und der Polizei an einem Rastplatz einer Autobahn in Westflandern gekommen.

Man kann sich vorstellen, dass sich Flüchtlinge, die eine Wüstendurchquerung, Menschenhändler in Libyen, die Überfahrt über das Mittelmeer und die Alpen (teilweise auf Güterzügen) überlebt haben, sich so kurz vor ihrem Ziel britische Inseln nicht mehr geschlagen geben wollen, sehr zum Leidwesen von europäischen LKW-Fahrern, die sich ihnen kaum noch erwehren können, sobald sie Westflandern oder den Nord-Pas-de-Calais erreicht haben.