Auch kleinere Carrefour-Märkte sind verlustreich

Die Warenhauskette Carrefour in Belgien kündigte diese Woche an, über 1.200 Jobs zu streichen und mehrere Super- und Hypermärkte zu schließen. Entsprechende Sozialverhandlungen haben bereits begonnen. Der Konzern gab auch an, in Zukunft auf die kleineren Läden Carrefour Express und Carrefour Markets zu setzen, doch auch hier fahren viele Filialen Verluste ein.

Im Zuge der Reorganisation gab Carrefour Belgien an, in Zukunft voll und ganz auf Biolebensmittel, frische Lebensmittel und Digitalisierung setzen zu wollen und der Trend bei der französischen Kette geht weg von den Hypermärkten, in denen es ein Gesamtangebot gibt, hin zu den kleinere Shops in den Wohnvierteln. Ziel: Umsatz- und Gewinne erhöhen. Aktuell betreibt Carrefour in Belgien 45 Hypermärkte von denen 19 mit Verlusten arbeiten. Die Warenhauskette verliert vor allem Anteile im Non-Food-Bereich. Hier sanken die Umsätze seit 2010 um ein Fünftel und 2017 alleine um 6 %.

Gino Van Ossel, Retailexperte an der Vlerick Business School in Brüssel, ist der Ansicht, dass die Marke „Carrefour“ nicht mehr bei den Konsumenten anschlägt. Gegenüber der VRT-Wirtschaftsredaktion sagte Van Ossel dazu: „Fragt man einen Belgier, wo ist es am billigsten, sagt dieser: Colruyt, Aldi und Lidl. Fragt man ihn, wo er die etwas besseren Produkte findet sagt er: Delhaize. Die Marke Carrefour ‚lädt‘ nicht mehr“. Zudem, so Van Ossel abschließend, helfe das alte verstaubte Image des Vorgängers GB (Grand Bazart) auch nicht wirklich…

Verluste

Doch ob das Vorhaben von Carrefour, in Zukunft mehr auf die kleineren Marktformeln Carrefour Express und Carrefour Markets zu setzen, von dauerhaftem Erfolg gekrönt sein wird, bezweifeln Fachleute. Nach Berechnungen des belgischen Arbeitnehmerverbandes Unizo haben 22 % der Express-Läden und 21 % der Markts-Läden in den vergangenen drei Jahren Verluste erlitten. Das seien deutlich höhere Verluste als bei vergleichbaren Shops der Konkurrenten von Delhaize, AD Delhaize oder Proxi.

Dass Carrefour auf die kleineren Viertelmärkte setzt, ist in den Augen von Fachleuten eine logische Entscheidung und dass man Kosten sparen will und muss ebenfalls, doch sei dies nicht automatisch der Weg zurück in den Erfolg. Man brauche bei Carrefour hier in Belgien eine langfristige Strategie und man müsse das, was man sage, auch umsetzen können, so Vlerick-Experte Van Ossel gegenüber VRT NWS.

Viele Märkte blieben dicht

An diesem Samstag blieben insgesamt 16 Carrefour Super- oder Hypermärkte aus Protest gegen die Neuorientierung der Gruppe geschlossen. Das betraf vor allem Märkte in und um Brüssel, den zu schließenden Markt in Genk in Flämisch-Limburg und mehrere Geschäfte in der Wallonie.

Nach der Ankündigung der Gruppe, mehr als 1.200 Mitarbeiter die Kündigung zu geben, begann die Phase der Konzertierung. Dazu trafen Vertreter der belgischen Bundesregierung am Freitag zunächst die Direktion von Carrefour in Belgien und danach die Gewerkschaften.

Hier zeigten die Gewerkschaften kaum eine Bereitschaft dazu, konkrete Gespräche aufzunehmen, denn die haben offenbar kaum Vertrauen in die Regierung Michel. Hier habe man in der Vergangenheit sozialverträgliche Möglichkeiten, wie Vorruhestandsregelungen abgebaut und denke derzeit ohnehin nur an flexible Arbeitszeiten (sprich an Flexijobs).