27 Jahre Haft für den "Diakon des Todes"

Die Geschworenen im Prozess gegen den ehemalige Diakon Ivo Poppe (61 - Foto) sind der Ansicht, dass dieser Schuldig am Mord an 5 Personen ist. Poppe soll mehrere nahe Verwandte und einen Patienten in einem Krankenhaus ums Leben gebracht haben. Den Mord an einem weiteren Patienten konnten die Geschworenen nicht belegen. Deshalb folgt hier ein Freispruch. Das Gericht verurteilte Poppe am Donnerstagnachmittag zu 27 Jahren Haft.

Die Staatsanwaltschaft hatte gegen den ehemaligen Laienpriester und Krankenpfleger Lebenslänglich verlangt. Sie hatte den Geschworenen empfohlen, in allen sechs Schuldfragen mit „Ja“ zu antworten, doch einen der Poppe vorgeworfenen Morde sahen die Geschworenen nicht als erwiesen an.

Vermutlich brachte Ivo Poppe noch mehr alte und sterbenskranke Patienten um, doch hier liegen keine konkreten Namen vor. Er selbst hatte 2013 gegenüber seinem Psychiater angedeutet, „dutzende Menschen“ ums Leben gebracht zu haben. Er wolle sie „von ihrem Leiden erlösen“, so einer seiner Anwälte.

Konkret sind bis heute, nach Ansicht der Geschworenen, fünf Morde und zwar die Tötung von zwei Großonkels des Angeklagten, dessen Mutter und Schwiegervater und eines Patienten im Krankenhaus von Menen in Westflandern. Die Anklage geht aber von „mindestens 10 Morden“ im Zeitraum 1978 bis 2011 aus.

"Er wollte Gutes tun"

Am Donnerstagnachmittag erfolgte das Urteil des Gerichts nach der Empfehlung der Geschworenen und der Anklage. Ex-Diakon Poppe muss demnach für 27 Jahre ins Gefängnis gehen. Damit blieb der Richter unter dem geforderten Strafmaß Lebenslänglich. Hier ist man der Ansicht, dass mildernde Umstände geltend gemacht werden können, da Ivo Poppe stets Leiden vermeiden wollte.

Das Argument, dass Poppe als Geistlicher und als Krankenpfleger eine gleich doppelte moralische Verantwortung gehabt habe, ließ das Gericht nicht gelten, auch wenn das Sterbehilfe-Gesetz in Belgien vorschreibt, dass ein Sterbewilliger selbst sein Einverständnis geben muss.

Sein Anwalt sagte dazu, dass er sich selbst verloren habe: "Er wollte etwas Gutes tun, hat aber die Grenzen des Zulässigen überschritten." Die Anwesenden im Gerichtssaal in Brügge bestätigten den Eindruck, dass Poppe sein sehr sanfter Mann sei und kein typischer Massenmörder.