Schlecht auf einen Atomunfall vorbereitet

Belgien, Deutschland und die Niederlande sind schlecht auf einen möglichen Atomunfall in ihren jeweiligen Grenzregionen vorbereitet. Zu diesem Schluss kommt der niederländische Forschungsrat für Sicherheit (OVV) in einem Rapport mit dem Titel „Zusammenarbeiten an der nuklearen Sicherheit“.

Zwar ist die Möglichkeit eines Atomunfalls derzeit klein, so der OVV-Bericht, doch im Falle des Falles müsse die Krisenbewältigung der drei betroffenen Länder besser aufeinander abgestimmt werden. Über den Zustand der in diesem Zusammenhang betroffenen Kernkraftwerke von Doel bei Antwerpen, Tihange bei Lüttich und Borssele in der niederländischen Provinz Zeeland äußerte sich der Forschungsrat in diesem Bericht nicht.

Der flämische Bund für eine bessere Umwelt (BBL) und Greenpeace Belgien haben eine Studie zur Verlängerung der Laufzeit der beiden jüngsten Atommeiler in Belgien in Auftrag gegeben, deren Ergebnis jetzt vorliegt. Demnach ist das wissenschaftliche Forschungsinstitut Energuville der Ansicht, dass eine Laufzeitverlängerung von zwei Meilern um 10 Jahre keine wirklichen Vorteile bringen würde.

Die Investitionen, die dies mit sich bringen würden, hätten nur wenig Einfluss auf die Energiesicherung und die Kosteneinsparung für den Konsumenten (1,50 € pro Monat) sei zu vernachlässigen. Die Wissenschaftler gehen auch von einer allgemeinen Senkung der Gaspreise an den Weltmärkten aus, was ebenfalls Einfluss auf das Thema Kernkraft und Atomausstieg haben würde.

Risiko Tihange?

Nach Medienberichten in Deutschland rückt der Atomreaktor Tihange 1 in der Diskussion um die Sicherheit der des gleichnamigen Kernkraftwerks bei Lüttich nahe der deutschen Grenze in den Blickpunkt. In diesem Meiler sei eine deutliche Häufung sogenannter Precursor-Fälle aufgetreten, berichteten der WDR-Hörfunk und das ARD-Magazin „Monitor“. Bei einem Precursor handelt es sich um einen Zwischenfall in einem Atomkraftwerk, der unter bestimmten Voraussetzungen zu schweren Schäden am Reaktorkern bis hin zur Kernschmelze führen kann.

Den beiden Redaktionen liege ein entsprechendes Schreiben der belgischen Atomaufsichtsbehörde FANC vor. Demnach wurden in den Jahren 2013 bis 2015 insgesamt acht solcher Vorfälle im Meiler Tihange 1 gemeldet. Das entspricht mehr als der Hälfte der Precursor-Fälle in allen belgischen Meilern gemeinsam.

Bisher gelten vor allem die Meiler Tihange 2 und Doel 3 wegen Tausender Haarrisse in den Reaktordruckbehältern als Sicherheitsrisiko und zwar sowohl in Deutschland und in den Niederlanden, als auch bei Atomkraftgegnern in Belgien. Sowohl die deutsche Bundesregierung als auch die NRW-Landesregierung haben wiederholt die Stilllegung dieser Reaktoren gefordert. Dem schlossen sich auch die Regierungen in den Niederlanden und in Luxemburg sowie mehrere Regionalregierungen und grenzüberschreitende Kommunalverbände.