Wer in der Innenstadt wohnt, soll weniger Steuern zahlen

Die flämischen Regierungsparteien wollen die Bewohner ermutigen, wieder mehr in die Innenstädte zu ziehen. Als Lockmittel sollen niedrigere Steuern eingesetzt werden. Konkret soll Städten und Gemeinden die Möglichkeit eingeräumt werden, in einem Viertel weniger Steuern zu erheben als in einem anderen. Noch ist das ein Vorschlag. Das Parlament muss sich nun darüber beugen.

Wer ein Haus besitzt, muss der flämischen Regierung, der Provinz und der Gemeinde Steuern abführen. Die Regierungsparteien wollen nun eine zielgerichtete Senkung der Gemeindesteuern ermöglichen.

"Eine Stadt oder Gemeinde soll in ihrem Stadtrat selbst entscheiden können, in welchem Teil des städtischen Gebietes oder ob sie im Zentrum die Steuern senken möchte", erklärt der flämische liberale Parlamentarier Rik Daems in der VRT. "Auf diese Weise kann sie einen wichtigen Teil des Haushalts für Menschen, die ein Haus kaufen oder renovieren möchten, zur Verfügung stellen."

Damit soll Wohnen in der Stadt, also auf relativ engem Raum, wieder attraktiver gemacht werden. 

"Wir sind uns doch alle darin einig, dass wir den öffentlichen Raum schützen müssen. Das bedeutet aber auch, dass mehr Menschen in ein städtisches Gebiet oder ins Zentrum ziehen müssen. Damit wird der Druck auf den Markt erhöht. Das kann man wiederum ausgleichen, indem man zielgerichtet Steuern senkt", so Daems. 

Die Steuern hängen von den Kadastereinnahmen, dem Index und den zusätzlichen Steuern der Gemeinde ab und die können von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich sein. Am niedrigsten sind sie in der Gemeinde Zaventem und am höchsten in Alveringem.

Bei einem Kadastereinkommen von 720 Euro bezahlt man jedes Jahr zwischen 236 und bis zu 708 Euro. Beträgt das Kadastereinkommen 1.200 Euro, kann die Summe, die man bezahlen muss, von 394 bis 1.181 Euro variieren. Diese Beträge könnten jetzt also gesenkt oder ganz gestrichen werden. 

"Ob das nun direkt einen finanziellen Unterschied macht, weiß ich nicht. Ich denke aber, dass sie die Innenstädte für junge Menschen attraktiver machen können", betont eine Einwohnerin. Eine anderer Einwohner ist überzeugt: "Viele Menschen, die alleine wohnen, haben nicht immer die Mittel für diese Steuern. Für sie könnte das sicherlich den Unterschied machen."

Der Vorschlag muss noch dem Staatsrat vorgelegt und vom Parlament abgesegnet werden.