Abdeslam-Prozess: Höchste Sicherheitsstufe

Der Brüsseler Justizpalast gleicht seit Montagmorgen einer regelrechten Festung. Mehr als 200 schwerbewaffnete Polizisten sichern dort den Prozess gegen Salah Abdeslam und Sofien Ayari. Abdeslam ist der einzige Überlebende der islamistischen Terroranschläge in Paris am 13. November 2015. Abdeslam äußert sich bisher nicht.

Etwa 400 Journalisten aus aller Welt berichten über diesen spektakulären Prozess gegen den mutmaßlichen Islamisten und seinen Komplizen Sofien Ayari. Dieser hat in einer ersten Vernehmung wohl schon auf die Fragen des Richters geantwortet.

Der Prozess gegen Salah Abdeslam und Sofien Ayari hat allerdings nichts mit den Anschlägen von Paris und Brüssel zu tun. In Brüssel müssen sich beide wegen einer Schießerei in der Brüsseler Gemeinde Vorst (Forest) verantworten.

Am 15. März 2016 kam es dort nach einer Razzia zu einer Schießerei zwischen drei mutmaßlichen Islamisten und der Polizei. Dabei wurden drei Polizeibeamte verletzt und ein Islamist - Mohamed Belkaïd - getötet. Abdeslam und Ayari entkamen, wurden aber drei Tage später in der Brüsseler Gemeinde Molenbeek verhaftet. Angeklagt sind sie wegen versuchten Polizistenmords.

Strengste Sicherheitskontrollen

Bereits um 6:30 Uhr konnten die ersten Prozessinteressierten am frühen Montagmorgen den Brüsseler Justizpalast betreten. Wie genau Abdeslam von seinem Gefängnis in Frankreich nach Brüssel kommen wird, ist nicht bekannt. Am Montagmorgen ist er zwischen 03:00 und 04:00 aus der französischen Haftanstalt in Fleury-Mérogis von einer Polizeieskorte abgeholt worden.

Der Prozess begann um 8.45 Uhr im Brüsseler Justizpalast. Das Gerichtsgebäude wurde mit Beton- und Stacheldrahtblöcken abgesichert. Mehrere Straßen sind gesperrt. Wer in das Gebäude möchte – egal zu welchem Verfahren er muss – , wird einer strengen Sicherheitskontrolle unterzogen. Die 90 Personen, die im Verhandlungssaal Platz haben, mußten eine weitere Sicherheitskontrolle über sich ergehen lassen.

Zwei offizielle Kameras übertragen das Geschehen in einen Nebenraum. Dort kann ein Teil der mehr als 400 akkreditierten Journalisten aus der ganze Welt den Prozess live verfolgen.

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Abdeslam: „Habe keine Angst vor Euch. Tut was ihr wollt“

Abdeslam weigerte sich zu Beginn seines ersten Verhörs aufzustehen. „Ich bin müde“, erklärte er. „Ich möchte keine Frage beantworten.“

Warum er denn zum Prozess erschienen sei, wollte die Richterin wissen. „Es ist ein Prozess und ich bin darin ein Mitspieler. Ich habe das Recht zu schweigen. So verteidige ich mich. Mein Schweigen ist kein Schuldeingeständnis. Ich vertraue dem Herrn. Ich habe kein Angst vor Euch. Tut was ihr wollt, ich verantworte mich nur vor meinem Gott.“

Danach wurde der Prozess bis 13:30 Uhr unterbrochen. Sven Mary, der Rechtsbeistand von Abdeslam, erhielt so die Möglichkeit, sich mit seinem Klienten zu beraten.

Ab 9:30 Uhr: Verhör der Angeklagten

Zuerst vernahm das Gericht montagfrüh Abdeslams Komplizen Sofien Ayari. Er gestand, dass er sich am 15. März 2016, am Tag der Polizeirazzia, in der Wohnung in der Driesstraat in der Brüsseler Gemeinde Vorst/Forest befand. „Gemeinsam mit Salah Abdeslam und Mohamed Belkaïd. Ich weiß nicht, wer die Wohnung mietete.“ Ihm sei auch nicht bekannt, warum sich dort Waffen befanden. „Eine der Waffen gehörte Belkaïd“.

Auf die Frage, ob er Ibrahim El Bakraoui, einen der Täter des Anschlags am Brüsseler Flughafen, kannte, antwortet er: „Ja, ich kenne ihn, er kam auch in die Driesstraat.“

Laut Ayari hat nur Mohamed Belkaïd – der bei der Razzia getötet wurde – auf die Polizisten geschossen. „Abdeslam und ich haben nicht geschossen“, behauptet er. Wie es denn möglich sei, dass mit zwei Waffen geschossen wurde? „Weiß ich nicht. Womöglich hat er mit zwei Waffen geschossen. Ich weiß gar nicht, was ich selbst getan habe“.

Feststeht, dass eine der beiden Waffen in einem anderen Gebäude gefunden wurde. Abdeslam und Ayari hatten sie, bei ihrer Flucht mitgenommen. Auf der Waffe wurden auch DNA-Spuren von Ayari gefunden. Dazu der Angeklagte: „Wahrscheinlich habe ich die Waffe vorher manipuliert. Die DNA-Spuren beweisen nicht, dass ich auch geschossen habe“.