Elektrische Busse: "Flandern ist in Verzug"

Der belgische Bushersteller VDL in Roeselare in der Provinz Westflandern hat gerade 100 E-Busse für Amsterdam fertiggestellt. Dies war die bisher umfangreichste Bestellung von elektrischen Bussen in Westeuropa. Die hiesigen Busbauer werfen der flämischen Landesregierung vor, hier den Anschluss zu verpassen. Die Niederlande und Skandinavien seien hier viel weiter als das belgische Bundesland Flandern.

VDL in Roeselare ist ein Tochterunternehmen der niederländischen VDL Gruppe. Der Fahrzeughersteller hat sich vor einigen Jahren auf die Entwicklung und Produktion von E-Bussen spezialisiert und den Fokus darauf gelegt. Der Auftrag aus Amsterdam belegt laut VLD die Wichtigkeit dieses Umschwungs. Die Niederlande gehören ohnehin zu den Vorreitern der Elektromobilität im öffentlichen Nahverkehr, denn ab 2025 darf kein neuer Stadtbus mehr Schadstoffe ausstoßen. Bis 2030 wird dies dort auf alle Nahverkehrsbusse ausgeweitet.

Dass sich Flandern diesem Vorbild nicht anschließt, stößt bei Peter Wouters (kl. Foto), Managing Director bei VLD Roeselare, auf Unverständnis. Gegenüber der Redaktion des VRT-TV-Wirtschaftsmagazins „De Markt“ sagte Wouters am Wochenende: „Es fällt auf, dass sich alle drei Landesteile in Belgien - Flandern, Brüssel und die Wallonie - dafür entschieden haben, um neben Dieselbussen in den kommenden Jahren noch auf Hybrid-Busse zu setzen.“ In Sachen E-Busse würden hier und da einige Testprojekte laufen, doch unser Land laufe den Entwicklungen in den Niederlanden und in Skandinavien nur hinterher.

Hier müsse die Politik einschreiten, denn die flämische Nahverkehrsgesellschaft De Lijn sei schließlich ein Unternehmen der öffentlichen Hand und die Landesregierung sei für die Politik bei De Lijn verantwortlich. Doch hier würde mehr über Einsparungen geredet, als über Investitionen in Busse, die keine Schadstoffe mehr ausstoßen.

Nicht ganz einverstanden

Flanderns Landesminister für Verkehr und Mobilität Ben Weyts (N-VA - kl. Foto) ist mit der Ansicht von VDL-Manager Peter Wouters nicht ganz einverstanden: „Wir haben letztes Jahr 60 Dieselbusse und 60 Hybrid-Busse bestellt. Das sind denn auch die letzten Dieselbusse, die wir ankaufen. Ab 2025 sollen in den 13 flämischen Zentrumstädten nur noch elektrische Busse fahren dürfen.“ Flandern mache sehr wohl den Umschwung in Richtung „sauberer Busse“, so Weyts, doch dies gehe Schritt für Schritt vonstatten, denn das alles müsse bezahlbar bleiben.

Zudem, so der Mobilitätsminister, sei der öffentliche Nahverkehr in den Niederlanden z.B. Angelegenheit von privaten Unternehmen „und die Mehrkosten für die teureren E-Busse werden an die Fahrgäste weitergegeben.“ Die Tatsache, dass die flämischen Zentrumstädte in absehbarer Zeit nur noch mit elektrischen Bussen bedient werden, stößt hier auf breite Zustimmung. Dies konnte die Redaktion von „De Markt“ in Löwen (Flämisch-Brabant), in Kortrijk (Westflandern) und in Turnhout (Provinz Antwerpen) feststellen.

Was sind Zentrumstädte in Flandern?

Zentrumstädte in Flandern sind größere Städte mit einer relativ hohen Bevölkerungsdichte in einem eher dünnbesiedelten Umland. Im Raumordnungs- und Strukturplan des belgischen Bundeslandes Flandern gelten derzeit 13 Städte als Zentrumsstädte: Aalst (Prov. Ostflandern), Antwerpen, Brügge (Westflandern), Genk (Limburg), Gent (Ostflandern), Hasselt (Limburg), Kortrijk (Westflandern), Löwen (Flämisch-Brabant), Mechelen (Antwerpen), Ostende (Westflandern), Roeselare (Westflandern), Sint-Niklaas (Ostflandern) und Turnhout (Antwerpen). Derzeit setzen sich Ypern in Westflandern und Vilvoorde in Flämisch-Brabant um eine Anerkennung als Zentrumstadt ein. Knapp 1,5 Mio. Einwohner leben in einer dieser Zentrumstädte.