Antwerpen: Bauarbeiten an den "Leien" dauern länger

Die umfangreichen Arbeiten an den Antwerpener „Leien“, das ist der Innenstadtring, der die Scheldemetropole fast gänzlich umgibt, dauern nach Angaben der Stadtverwaltung etwa ein Jahr länger, als bisher geplant. Ursprünglich war ein Zeitraum von zwei Jahren angesetzt, doch da kommen noch mindestens 11 Monate hinzu. Die betroffenen Geschäftsleute sind entsetzt.

Schon jetzt, nach rund einem Jahr Bauarbeiten, kämpfen die Geschäftsleute in den umliegenden Straßen bzw. an den „Leien“ selbst, mit Umsatzrückgängen. Unizo, der Mittelstandsverband für Flandern und Brüssel, fordert jetzt Gespräche mit der Stadtverwaltung. Ziel ist, eine Kompensation für die Verluste der Selbständigen vor Ort zu erreichen. Doch von dem Problem sind nicht nur die Anlieger der „Leien“ betroffen, sondern auch viele Geschäfte und Ketten in der Innenstadt selbst.

Das Stadtzentrum ist teilweise nur über Umwege zu erreichen und selbst der öffentliche Nahverkehr bietet mit Bussen und Bahnen nicht für alle Umleitungen eine Alternative, da selbst Linien der flämischen Verkehrsgesellschaft De Lijn unterbrochen sind.

Unizo will so schnell wie möglich wissen, ob die Verlängerung der Arbeiten weiterhin dafür sorgt, dass viele Achsen in Richtung Innenstadt unterbrochen sind oder ob einige der Bauarbeiten auch vollständig unterirdisch vollzogen werden können. Doch die erste Sorge sind jene Geschäftsleute, die ihre Läden oder Gastronomiebetriebe direkt an den „Leien“ betreiben.

Nico Volckeryck von Unizo Antwerpen erklärte gegenüber der VRT-Nachrichtenredaktion, dass man eine Anlaufstelle für die Betroffenen einrichten werde: „Unsere erste Sorge ist die Frage, wie können wir den Unternehmern behilflich sein. Wir denken da an einer Aussetzung der Mehrwertsteuer oder der Sozialabgaben. (…) Unizo Antwerpen eröffnet einen ‚Behinderungs-Schalter‘, an den sich Betroffene wenden können.“

Baustellen-Koordinator

Unizo Antwerpen-Sprecher Volckeryck vermisst an der Mega-Baustelle in seiner Stadt einen Koordinator, der die Arbeiten begleitet: „Man sieht auch bei diesen Baustellen, dass jedes Mal die gleichen Fehler begangen werden und man lernt nichts daraus. Einen guten Baustellen-Koordinator braucht die Stadt heute. Die gleichen Probleme kommen immer wieder zum Vorschein: Schlechte Kommunikation, unnötige Überlastung von Bauabschnitten durch fehlende Organisation und Baumaterial, das nicht zeitig vor Ort ist. Man kann z.B. überflüssige Baumaschinen abziehen, damit die Straßen besser erreichbar sind.“

Mehrere der betroffenen Ladenbetreiber und Gastronomen sagten gegenüber der flämischen Tageszeitung De Morgen, dass sie oft wochenlang niemanden an der Baustelle vor ihrer Türe arbeiten sahen. Die Straßen jedoch blieben gesperrt oder blockiert, obschon dies absolut nicht nötig gewesen wäre. Doch dadurch seien viele Kunden nicht zum Einkaufen gekommen oder in die Lokale eingekehrt, weil die Lage sogar für Fußgänger örtlich problematisch sei.

In einer ersten Reaktion sagte Belgiens Wirtschaftsminister Kris Peeters (N-VA), er könne sich vorstellen, dass an Antwerpener „Leien“-Baustellen auch rund um die Uhr, also auch nachts gearbeitet werden könnte. Ebenfalls in De Morgen stellte der flämische Mobilitätsjournalist und Verkehrsanalyst Herman Welter fest, dass die gleichen Probleme bei fast allen öffentlichen Arbeiten im belgischen Bundesland Flandern zu beobachten seien: „Was wir selbst machen, machen wir nicht unbedingt besser.“ Damit persiflierte er einen flämischen Standardspruch, der im Zuge der Föderalisierung Belgiens gerne von flämischen Nationalisten zitiert wird: „Was wir selbst machen können, machen wir besser…“