Skandale: Oxfam verliert auch in Belgien Spender

Der Sexskandal bei Oxfam in Großbritannien und die Korruptionsvorwürfe gegen einen führenden Oxfam-Mitarbeiter in Guatemala sorgen dafür, dass die Hilfs- und Dritte Weltorganisation Unterstützer verliert. Davon sind nicht nur staatliche Zuwendungen betroffen, sondern auch private Spender. Alleine in Belgien zogen sich Dutzende Spender zurück.

Auch bei Oxfam in Belgien sind die Skandale angekommen. Rund 180 Spender haben sich dazu entschlossen, ihre Hilfe zu beenden. Das ist zwar nur ein kleiner Teil der Oxfam-Unterstützer in unserem Land, aber dennoch sorgt dies für Sorgenfalten auf der Stirn der Verantwortlichen. Insgesamt spenden in Belgien mehrere zehntausend Privatleute oder Unternehmen regelmäßig oder gelegentlich Geld an Oxfam. Damit kommen hier jährlich rund 8 Mio. € zusammen.

Stefaan Declercq, der Generalsekretär von Oxfam Belgien, gab an, dass man die Entscheidung Einzelner, die ihre Spendenbereitschaft nach den Sexvorwürfen gegen Mitarbeiter in Haiti beenden, respektieren müsse: „Das müssen wir zugeben. Aber, wir haben alle unsere Spender rasch über die Probleme in Großbritannien unterrichtet. Viele Menschen haben uns danach wissen lassen, dass sie uns weiter unterstützen wollen.“

Laut Declercq sei Transparenz jetzt das wichtigste in dieser Situation: „Es handelt sich hier um ein Fehlverhalten bestimmter Leute. Wir müssen die Bewerbungsprozesse bei Oxfam also unter die Lupe nehmen und die Referenzen und den Hintergrund der Bewerber besser kontrollieren.“

Ehrenamtliche machen weiter

Die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Weltläden in Belgien, die ebenfalls unter die Kuppel von Oxfam fallen, stellen allerdings fest, dass nur wenige ihrer Kunden das Thema Sex- und Korruptionsskandal zur Sprache bringen. Sie haben allerdings von Oxfam und der Leitung der Weltläden ein Schreiben mit Tipps und Richtlinien erhalten, in denen mögliche Reaktionen auf prekäre Situationen vorgeschlagen werden.

Auch unter den Ehrenamtlichen von Oxfam in Belgien ist die Enttäuschung groß über die Skandale und das Fehlverhalten von führenden Mitarbeitern. Und doch stehen die freiwilligen Helfer weiter hinter ihrer Organisation, wie eine Umfrage der VRT-Nachrichtenredaktion in einigen Standorten ergeben hat.

BELGA/DIRKX

Hintergründe

Wie jetzt bekannt wurde, hat der aus Belgien stammende Leiter von Oxfam UK, Roland Van Hauwermeiren, schon lange einen schlechten Ruf. Er soll sowohl in Haiti, als auch im Tschad und in Liberia Prostituierte aus der Oxfam-Kasse bezahlt haben und auch Sexfeste wurden offenbar so finanziert. Und der Vorsitzende von Oxfam International, Juan Alberto Fuentes, wurde in seinem Heimatland Guatemala verhaftet, weil er sich in seiner Zeit als Minister dort bestechen ließ. Van Hauermeiren gab in einem offenen Brief am Donnerstag zu, "kein Heiliger" zu sein, doch er habe nie Prostituierte oder Sexfeste gebucht oder besucht."