Hängt der Zugang zum Professor vom Portemonnaie des Patienten ab?

Das Universitätskrankenhaus von Löwen wird von mehreren Personen der Praktiken einer Zweiklassenmedizin beschuldigt. Ein Patient, der eine Augenoperation durchführen lassen wollte, bekam einen Brief, indem steht, dass er von einem Professor operiert werden kann, wenn er ein teureres Einbettzimmer nimmt. Ist dies nämlich nicht der Fall, operiert ein Assistenzarzt. Nach Auffassung der flämischen Patientenplattform sei das inakzeptabel. Das Krankenhaus selbst spricht von einer "unglücklichen Kommunikation" und betont, dass alle Patienten, ob reich oder arm, gut bei ihnen versorgt würden.

Wird man im UZ Löwen besser versorgt, wenn man sich in ein Einzelzimmer überweisen lässt? Der Arzt verdient an einem Patienten mehr, wenn er in einem Einbett-Zimmer liegt - das ist bekannt. Ist es aber auch so, dass der Patient, der ein Einbett-Zimmer nimmt, durch die besten Mitarbeiter und Professoren des Krankenhauses versorgt wird - denn diese erhalten ein ordentliches Honorar hierfür -, während bei einem Patienten in einem Zweibettzimmer dies nicht der Fall ist? 

Man habe von mehreren Patienten erfahren, dass wenn sie im UZ Löwen gerne den Professor selbst sehen möchten, ein Einbett-Zimmer nehmen müssten. Das koste sowieso schon mehr Geld, erklärt Ilse Weeghmans, die Direktorin der flämischen Patientenplattfom. "Wir bedauern, dass der Zugang zum Professor vom Portemonnaie des Patienten abhängt."

Ein Patient, der eine Augen-OP durchführen lassen möchte, hat einen Brief mit folgender Mitteilung bekommen: "Patienten mit einem Einzel-Zimmer können wir garantieren, dass der Eingriff zu 100 Prozent vom Fachpersonal des Krankenhauses selbst durchgeführt wird. (Allgemeine Regelung...)"

Heißt das, dass der Professor oder der Fachangestellte des Krankenhauses nur dann herangezogen wird, wenn man ein im Vergleich zum Mehrbett-Zimmer teureres Einzel-Zimmer nimmt? Dem UZ Löwen zufolge enthalte der Brief falsche Informationen.

Professor Dr. Marc Decramer (Foto), der Direktor des UZ Löwen, verteidigte das Krankenhaus in der VRT: "Was der Professor oder ein Assistenzarzt bei einem Eingriff macht, wird auf der Grundlage der Komplexität des Eingriffs bestimmt. Die komplexeren Elemente bei einem Eingriff macht ein Professor oder Facharzt des Krankenhauses und die weniger komplizierten Eingriffe macht der Assistent. Bei Privatpatienten kümmert sich der Facharzt um alles, was den Eingriff betrifft, aber das führt zum gleichen Resultat."

Die Komplexität bestimmt also, wer die medizinische Handlung durchführt. Wer ausdrücklich ein Einbett-Zimmer verlangt, kann  jedoch ganz sicher damit rechnen, dass das Fachpersonal vom Krankenhaus alle Eingriffe übernimmt, auch die weniger komplizierten. Wer ein Zweibett-Zimmer wählt, bekommt nur für komplizierte Eingriffe den Professor zu Gesicht.

Dem UZ Löwen zufolge sei besagter Brief inzwischen zurückgezogen worden. "Das, was in dem Brief steht, ist nicht mit unserer allgemeinen Funktionsweise vereinbar. Das wollen wir ganz bestimmt nicht. Wir haben den Brief inzwischen zurückgezogen und er wird neu aufgesetzt", so Prof. Dr. Marc Decramer noch.