Direktor von Brüsseler GoE steckte 18 Jahre lang hohe Summen ein

Ein ehemaliger Direktor der Gesellschaft ohne Erwerbszweck (GoE) GIAL, die das Computersystem der Stadt Brüssel verwaltet, hat 18 Jahre lang bis zu 1.000 Euro pro Tag als Scheinselbständiger in seine Taschen fließen lassen. Das geht aus einem Audit-Bericht hervor, den der Brüsseler Stadtbeirat in Auftrag gegeben hatte. Die Wochenzeitung Le Vif/L'express hat diese Information.

Zwischen 2000 und 2017 hat Michel Leroy rund 3 Millionen Euro als Berater verdient, obwohl er in dieser Zeit auch Vorstandsmitglied der Gesellschaft ohne Erwerwerbszweck GIAL war. "Das läuft darauf hinaus, dass sich ein Direktor des Vereins ohne Erwerbszweck der Stadt Brüssel 18 Jahre lang als Consultant hat bezahlen lassen", betont das Stadtratsmitglied Bart Dhondt (Groen) gegenüber der VRT. "Der Mann hat also nicht nur einen Arbeitsvertrag als Direktor mit den Gehaltstarifen der Stadt gehabt, sondern sich auch noch als eine Art Scheinselbständiger bezahlen lassen."

"Hier handelt es sich um eine Praxis, die ein Stadtbeirat nach dem anderen, ein PS-Vertreter nach dem anderen, aufrecht erhalten hat. Dieses Kollegium kann nicht einfach sagen, dass das Dank des Audits ans Licht gekommen sei", so Dhondt noch. "Es handelt sich um einen Vertrag, den der zuständige Schöffe jedes Mal unterzeichnen musste und bei dem man also eigentlich diesem System zugestimmt hat. Es bedarf keines Audits, um zu verstehen, dass man einen Direktor einer Organisation nicht auch noch als Selbständigen bezahlt."

Nicht das erste Mal

Es sei bereits das dritte Mal, dass die Gesellschaft in die Kritik gerate, so Bianca Debaets (CD&V), Staatssekretärin für Informatik und Digitalisierung der Region Brüssel. "Schon vor einigen Jahren ist ein Loch in Höhe von 2 Millionen Euro infolge von Misswirtschaft entstanden. 2016 hatte der Direktor nur 6 Monaten nach seiner Anstellung gehen müssen, weil es damals Hinweise auf Manipulationen gegeben hatte."

"Natürlich ist es so, dass die Stadt Brüssel Champion in von der Politik gesteuerte Gesellschaften ist, wobei demokratische Kontrollen durch den Stadtrat sehr schwierig, ja fast nicht vorhanden sind", erklärt Debaets noch. "Das muss sich dringend ändern."

Sowieso frage sich Debaets, warum die Stadt eine eigene IT-Abteilung habe, wo doch ein übergreifender Service der Region Brüssel bestehe. "Ich rufe die Stadt auf, sich der regionalen Informatikabteilung anzuschließen." Die Einrichtung von parallelen Circuits seien eine Verschwendung von Steuergeldern, so Debaets.