Frost: Obdachlose in Gewahrsam genommen

Der Bürgermeister der Brüsseler Gemeinde Etterbeek, Vincent De Wolf (MR - kl. Foto), reagiert mit einer drastischen Maßnahme auf die Weigerung von Obdachlosen in seiner Kommune, in diesen frostigen Tagen in ein Aufnahmezentrum zu ziehen. Er lässt sie einfach festnehmen, um sie vor den heftigen Minustemperaturen in diesen Tagen und Nächten zu schützen.

Auch die Brüsseler Gemeinde Etterbeek hat für frostige Zeiten ein Winterquartier für die Obdachlosen eingerichtet (Foto oben), doch manche der Betroffenen weigern sich, auch bei den Minustemperaturen dieser Tage in ein solches Zentrum zu ziehen. Bürgermeister De Wolf beauftragte die Polizei seiner Kommune, solche Obdachlose in Gewahrsam zu nehmen und in ein Gemeindezentrum zu bringen.

Dort werden sie von einem Arzt untersucht und bekommen die strenge Auflage, hier in der Zeit von 20 Uhr abends bis zum frühen Morgen um 7 Uhr zu bleiben. bei 10 Personen war das am vergangenen Wochenende der Fall.

In dieser letzten Februar-, bzw. ersten Märzwoche sinken die Nachttemperaturen auch in Belgien auf örtlich bis zu -15°C. Auch am Tage bleiben die Werte lokal unter null.

In Etterbeek heißt es dazu: „Der Bürgermeister ist dazu verpflichtet, die öffentliche Sicherheit zu garantieren und Personen in Notsituationen Hilfe anzubieten.“

Die Polizeiverordnung von Etterbeek sieht laut Bürgermeister De Wolf vor, solche Maßnahmen zu ergreifen, um die Obdachlosen vor sich selbst zu schützen. Die Maßnahme läuft bis zum 8. März und kann je nach Verlauf der Wetterentwicklung noch verlängert werden.
 

"Freiwillige Aufnahme funktioniert gut"

Wim Dries vom Flämischen Verband der Städte und Gemeinden (VVSG) sagte in einer Reaktion auf die Vorgehensweise der Brüsseler Kommune Etterbeek, dass „die flämischen Gemeinden auf freiwillige Aufnahme von Obdachlosen setzen und das funktioniert noch immer gut.“ In Flandern ergreift derzeit keine einzige Kommunalverwaltung eine so drastische Maßnahme, wie die in Etterbeek. Dies sei nur in Ausnahmefällen der Fall, z.B. falls es sich um kranke Obdachlose handele oder um Familien mit kleinen Kindern, so Dries.

Und doch zeigt der flämische Kommunalverband Verständnis für die Herangehensweise von Etterbeek, denn am Wochenende wurde gemeldet, dass in der Region Brüssel-Hauptstadt über 600 Obdachlose nur schwer davon überzeugt werden können, ein Winterquartier aufzusuchen. Das dabei jede Brüsseler Kommune auf sich selbst gestellt sei, hält der Verband aus Flandern für ein Unding.