Bakterien ohne Antibiotika unschädlich machen

Wissenschaftlern des Flämischen Instituts für Biotechnologie (VIB), der Universität Löwen (KUL) und der Uniklinik Löwen (UZL) haben eine neue Methode entwickelt, mit der Bakterien und bakterielle Infektionen ohne den Einsatz von Antibiotika bekämpft werden kann. Bakterien sind kaum noch mit Antibiotika in den Griff zu bekommen, weil sie dagegen immer resistenter werden.

Das klassische Antibiotikum greift krankmachende Bakterien an ihren Schwachstellen an, doch die Bakterien werden immer resistenter gegen die Art der Bekämpfung und dichten ihre „wunden Punkte“ ab. Dadurch können Antibiotika ihren Auftrag nicht mehr erfüllen, während die schädlichen Bakterien überleben und sich weiter ausbreiten können. Dagegen haben flämische Wissenschaftler eine Methode entwickelt, die dieser Entwicklung auf natürlichere Weise Einhalt gebieten könnte.

Dabei sehen die Wissenschaftler Bakterien als Lebewesen an, die einen eigenen Eiweißhaushalt haben, wie der Molekularbiologe Professor Joost Schymkowitz (VIB und KUL) dazu erklärt: „Wo die klassischen Antibiotika nur ein Element einer Bakterie angreifen, gehen wir mit unserer Methode gegen deren gesamten Haushalt vor. Für Bakterien ist es viel schwieriger, sich gegen solche Angriffe zu verteidigen. Sie können kaum Resistenz dagegen entwickeln.“

Wie Eier kochen?

Die Wissenschaftler dringen mit ihrem System in die Bakterien ein und sorgen dafür, dass die verschiedenen Eiweiße miteinander verklebt werden: „Das kann man mit dem vergleichen, was passiert, wenn man ein Ei kocht. Das Eiweiß wird zu einer festen Materie und die Bakterien können nicht mehr funktionieren und sterben ab.“

Die Forscher haben dies an Mäusen getestet, die an einer Blasenentzündung erkrankt waren, die durch gefährliche E.coli-Bakterien ausgelöst worden war (das sind sogenannte gramnegative und oftmals auch multiresistente Bakterien, die z.B. in Krankenhäusern vorkommen können).

Die Mäuse konnten danach wieder genesen, was den Löwener Wissenschaftlern den Beweis lieferte, dass ihre Methode wirkt. Sie hatten damit die E.coli-Bakterien nach eigenen Angaben in ihren eigenen Eingeweiden „kleingekriegt“.

Biotech-Unternehmen

Das Forschungsprojekt wird von dem flämischen Biotechnologie-Unternehmen Aelin Therapeutics unterstützt, das anhand der Ergebnisse neue Medikamente gegen Bakterien entwickeln will.

Das Unternehmen konnte rund 27 Mio. € beschaffen, um mit eigenen Forschungen nachzulegen. Aelin Therapeutics will vorhandene Mittel gegen Bakterien ersetzen oder zumindest ergänzen.

Das in Löwen ansässige Unternehmen ist quasi ein Start-Up-Unternehmen der oben genannten Forschungsinstitute und arbeitet auch eng mit anderen Einrichtungen zusammen, wie z.B. die Universität Gent (UGent) und die Freie Universität Brüssel (VUB).