Belgien wusste bereits 2016 von Veviba-Problemen

Belgiens Landwirtschaftsminister Denis Ducarme (MR) hat bei der belgischen Bundesagentur für Lebensmittelsicherheit (FAVV) ein Dossier angefordert, dass sich ebenfalls mit dem derzeit geschlossenen Fleischbetrieb Veviba beschäftigt, dessen Produkte vergangene Woche massiv aus den Regalen zahlreicher Warenhäuser entfernt wurden.

Der Fall des Fleischgroßhandels- und Vertriebsunternehmens Veviba in Bastogne in der Provinz Luxemburg weitet sich aus. Neben Veviba selbst sind von dem Skandal um verdorbenes Fleisch auch zur Veviba-Gruppe gehörende weitere Fleischunternehmen ins Visier der Behörden geraten. Inzwischen wurde aber auch bekannt, dass die Gruppe bereits 2016 ins Zwielicht geraten ist.

Damals hatte ein Kunde von Veviba aus dem Kosovo eine Lieferung verdorbenes Fleisch erhalten, wobei ein ganzer Container vernichtet werden musste. Die Lebensmittelbehörden im Kosovo hatten dies umgehend auch ihren belgischen Kollegen der FAVV gemeldet.

Kontrolleure aus Belgien hatten daraufhin diese Lieferung im Kosovo in Augenschein genommen und ein Dossier angelegt. Diese Akte liegt derzeit bei der Staatsanwaltschaft der Provinz Luxemburg, die aber vorläufig keinen Kommentar dazu abgeben will.

Akte angefordert

Jetzt hat Bundeslandwirtschaftsminister Ducarme eben jenes Dossier angefordert, um sich ein Bild von dem machen zu können, was bereits 2016 bei Veviba vorgefallen ist. Laut unseren Kollegen des frankophonen Rundfunks RTBF hofft Ducarme, die Akte bereits in der kommenden Woche zu erhalten.

Inzwischen sind die Fleischregale in den Supermärkten von Delhaize und dem Discounter Colruyt so gut wie leer. Bei Delhaize ist unter anderem die gesamte Palette der Biofleisch-Sortimente entfernt worden. Beide Warenhausketten haben überdies ihre Lieferverträge mit der Veviba-Gruppe aufgelöst. Die Behörden gaben bekannt, dass kein verdorbenes und für den Verzehr nicht geeignetes Fleisch mehr im Umlauf ist.

Komplott?

Ein Mitarbeiter von Veviba in Bastogne, den unsere Redaktion sprechen konnte - er wollte ungenannt bleiben, vermutet einen Komplott gegen sein Unternehmen, unter anderem von der Lebensmittel-Kontrollbehörde FAVV: „Der Bericht der FAVV hat nichts mit Objektivität zu tun, das sieht doch jedes Kind. Die sind hier zu sechs Leuten, die konstant beobachten. Dann haben die ihre Arbeit doch nicht gemacht?“

Zudem komme jede Nacht eine Spezialfirma nach Bastogne, die die gesamte Produktionslinie von oben bis unten reinige: „Jeder tut hier sein Bestes, um so qualitativ wie möglich zu arbeiten und um alles unter Kontrolle zu haben. Das Personal hier steht hinter den Betrieb, doch wir dürfen nicht mehr arbeiten. Wir dürfen uns nicht verteidigen. Hier heißt es einfach nur „schließt die Firma ab und haltet den Mund. Hier werden wohl 200 Leute ihre Stelle verlieren.“