Arbeiten nach Krebs muss möglich sein

Das Brüsseler Arbeitsgericht urteilte, dass Arbeitgeber Anstrengungen unternehmen müssen, um ehemaligen Krebspatienten den Wiedereinstieg in den Beruf zu ermöglichen. Damit bestätigte ein Richter zum ersten Mal, dass den Folgen einer Krebserkrankung am Arbeitsplatz Rechnung getragen werden muss, weil sie eine „Behinderung“ darstellen.

Klage hatte die junge Verkäuferin Maaike H. eingereicht, die zwei Jahre lang wegen einer Krebsbehandlung nicht arbeiten konnte. Sie hatte nach Beendigung der Therapie von ihrem Arbeitgeber angepasste Arbeitszeiten in Teilzeit verlangt, erhielt daraufhin aber die Kündigung.

„Endlich kann das Leben seinen gewohnten Gang wieder gehen und dann bekommt man solche einer Ohrfeige“, so Maaike H. Sie ließ die Kündigung nicht auf sich sitzen, wurde aber in erster Instanz abgewiesen. Im Revisionsverfahren urteilte das Arbeitsgericht nun, die Frau werde aufgrund einer „Behinderung“ diskriminiert. Damit bestätigt der Richter, dass die Folgen einer Krebserkrankung als solches anzusehen sind. Deshalb habe der Arbeitgeber entsprechende Maßnahmen treffen müssen, damit die Frau an ihren Arbeitsplatz zurückkehren konnte.

Geldstrafe

Der Arbeitgeber wurde wegen Diskriminierung zu einer Geldstrafe von 12.500 Euro verurteilt. Die Klägerin reagiert zufrieden: „Mir ging es ums Prinzip. Krebspatienten haben schon so viel mit gemacht und hart gekämpft. Dass sie dann auch noch um ihren Arbeitsplatz kämpfen müssen, wollte ich nicht einsehen.“

Nach Ansicht des Zentrums für Chancengleichheit, Unia, könnte das Urteil eine Signalwirkung für Arbeitnehmer haben, die nach schwerer Krankheit ins Berufsleben zurückkehren möchten.

„Arbeitgeber müssen ihre Pflichten kennen und den Arbeitsplatz im Rahmen des möglichen anpassen, damit nach der Krankheit der Arbeitnehmer wieder arbeiten kann“, so Herman Fonck von der christlichen Gewerkschaft ACV. „Arbeitgeber müssen dies spontan tun, weil es vom Gesetzgeber und europäischen Richtlinien vorgeschrieben wird.“