Auch flämischer Betrieb hat Fleisch abgelaufenen Datums verkauft

Nach dem Fleischskandal bei Veviba in Bastenaken hat sich nun herausgestellt, dass auch der Betrieb Vanlommel aus Olen (Provinz Antwerpen) Fleisch verkauft hat, dessen Verfallsdatum abgelaufen war. Der Schlachthof aus Olen betont, dass es sich nicht um Betrug gehandelt habe, sondern um einen menschlichen Fehler. Die Staatsanwaltschaft wurde im Januar davon unterrichtet, einige Monate nach den Fakten.

Der Skandal um Veviba soll laut dem Sender RTBF, der die Nachricht ans Licht brachte, kein Einzelfall gewesen sein. Ein anderer belgischer Fleischbetrieb soll im August 2017 Fleisch mit abgelaufenem Verfallsdatum an einen Großhändler im Kosovo geliefert haben. Der Händler wurde auch im Fall Veviba genannt.

Ein Sprecher der Agentur für Nahrungsmittelsicherheit im Kosovo hat dem Sender RTBF bestätigt, dass die Agentur letzten Sommer an der Grenze zu Albanien 20 Tonnen tiefgefrorenes Kalbfleisch von einem Schlachthof aus Olen beschlagnahmt habe. Bei einem Teil des Fleisches soll das Haltbarkeitsdatum abgelaufen gewesen sein.

Der Schlachthof Vanlommel betont wiederum, dass es sich um einen menschlichen Fehler gehandelt habe. "Wir übernehmen zu 100 Prozent die Verantwortung hierfür", reagiert die Firma gegenüber der RTBF. "Das Fleisch ist entsorgt worden und der Kunde wurde für den Schaden entschädigt." Das Unternehmen unterstreicht auch noch, dass es sich hierbei nicht um Betrug handele. "Die Label waren in Ordnung, aber es stimmt, dass das Haltbarkeitsdatum überschritten war."

In einer Reaktion in der VRT hat der kaufmännische Direktor Johan Heylen nochmals darauf hingewiesen, dass es sich hierbei nicht um mutwilligen Betrug handele. "Hier wurde kein Etikettenschwindel betrieben, denn die Originaletiketten klebten ja darauf. Doch intern hat jemand einen Fehler gemacht. Dadurch wurden zwei Palletten geladen, die nicht hätten verladen werden sollen."

Es handelt sich um zwei Palletten einer Ladung von 20 Tonnen Fleisch, das für den Kosovo bestimmt war. "Dabei wurden zwei Palletten, die im Juli abgelaufen waren, verkehrt verladen", erklärt Johan Heylen noch. "Das Fleisch, mit einem Haltbarkeitsdatum von zwei Jahren, war drei Wochen über dem Haltbarkeitsdatum."

"Diese Palletten standen auch ganz hinten im Lkw. Die hintersten Palletten werden bei einer Kontrolle durch einen Veterinär an einem Grenzposten zuerst kontrolliert. Das beweist, dass wir keinen Betrug haben begehen wollen", so Heylen.

Wie konnte das dann also passieren? "Wir haben das intern untersucht und die Person, die das gemacht hat, darauf angesprochen", so der der kaufmännische Direktor des Unternehmens, der zudem bekannt gab, dass es das erste Mal sei, dass der Betrieb bei solch einem Fehler erwischt worden sei.

Politik meldet sich zu Wort

Inzwischen hat die Partei der flämischen Regionalisten N-VA zu einer "gründlichen gerichtlichen Untersuchung aufgerufen."

Über den genauen Hergang des Fehlers in dem Betrieb in Olen ist noch wenig bekannt: Ob es sich um einen menschlichen Fehler handelt oder um Betrug, müsse genauer untersucht werden, hieß es am Samstagabend in einer gemeinsamen Mitteilung der Parlamentsabgeordneten Yoleen Van Camp und Renate Hufkens, jeweils stellvertretende Vorsitzende und Mitglieder des Ausschusses für Volksgesundheit im belgischen Parlament.

Die beiden Parlamentarier kritisieren gleichzeitig Belgiens Agentur für Nahrungsmittelsicherheit. Die sollte ihre Rolle genauer nehmen. "Die Kontrollen müssen proaktiver, schneller und gründlicher werden. Außerdem bedarf es dringend einer besseren Kommunikation zwischen den verschiedenen betroffenen Instanzen, aber auch mit den Konsumenten", heißt es noch.

Die N-VA würde die Inspektionsdienste deshalb gerne regionalisieren. "Flandern hat schon bewiesen, dass es gute Arbeit bei der Kontrolle und im Hinblick auf den Tierschutz leistet", so die Parlamentarier.

Groen, die Partei, die in der Regierung in der Opposition sitzt, fordert eine Untersuchung des gesamten Nahrungsmittelsektors. "Es ist nicht nur am Fleisch etwas faul, sondern am gesamten System", so Kristof Calvo von Groen. "Die Menschen müssen dem vertrauen können, was auf ihren Tellern liegt. Und das lösen wir nur, wenn wir den gesamten Sektor untersuchen und die notwendigen Schlußfolgerungen aus dem Ergebnis ziehen."

"Es ist gut, dass wir die Nahrungsmittelagentur screenen, aber das Ganze muss dringend breiter angegangen werden."