F-16: Was wusste die Armeeführung?

Die mögliche Verlängerung der Einsatzzeit der belgischen F-16-Kampfbomber, die eine Studie des Herstellers Lockheed Martin plausibel macht, wird zu einem brisanten politischen Thema. Offenbar kannten Kreise in der Armeeführung diese Studie, leiteten sie jedoch nicht weiter an die Regierung.

Seit die flämischen Sozialisten SP.A die Lockheed Martin-Studie zur F-16 an die Öffentlichkeit brachten, steht Bundesverteidigungsminister Steven Vandeput (N-VA - kl. Foto) in der Kritik. Vandeput gab zu verstehen, dass ihn und sein Ministerium diese Studie niemals erreicht hat.

Aus internen Emails ist ersichtlich, dass zumindest Luftwaffenchef General Frederik Vansina und Oberst Harold Van Pee, zuständig für das Dossier um den F-16-Ersatz, über die Studie verfügten. Eine anonyme Quelle innerhalb der Armeeführung hatte empfohlen, die Studie zur Verlängerung der Einsatzzeit der F-16-Kampfbomber solle der Korrektheit halber an die Regierung, bzw. an das Verteidigungsministerium weitergeleitet werden. Dies jedoch ist womöglich nicht geschehen.

Lockheed Martin erstellte die Studie bereits 2016 und im April 2017 bat das Generaldirektorium der Abteilung „Material Resources“ der belgischen Armee den US-Rüstungshersteller um „alternative Berechnungen“, schreibt die flämische Tageszeitung De Morgen dazu in ihrer Mittwochsausgabe. Der gesamte Vorgang bringt die geplante Anschaffung von neuen Kampfbombern als Ersatz für die veralteten F-16er durcheinander. Von politischer Seite her wird die Möglichkeit, die F-16-Maschinen modernisieren zu lassen, statt wesentlich teurere neue Flugzeuge zu bestellen, heiß diskutiert.

Glaubwürdigkeit

Fachleute aber halten nicht viel davon, denn moderne Maschinen würden Belgien weiter als vertrauenswürdigen Nato-Partner gelten lassen. Nichtsdestotrotz bleibt das Thema politisch heiß diskutiert. SP.A-Parteichef John Crombez (kl. Foto) legte am Dienstagabend in der VRT-Politsendung „De afsprak“ („Die Verabredung“) eine armeeinterne Email vor, in der auch Oberst Van Pee als Empfänger aufgeführt ist. Dieser teilte gegenüber der VRT-Nachrichtenredaktion mit, dass „er Schuldig plädiere wegen des Erhalts einer Email“ und dass „er sich darauf freue, dies im Parlament auch erklären zu wollen.“

Der Beauftragte für den F-16-Ersatz nuancierte gegenüber der flämischen Tageszeitung Het Belang Van Limburg übrigens die Lockheed Martin-Studie: „Dieser Bericht erzählt nichts neues und wird überbewertet. Man kann auch einen Oldtimer hundert Jahre fahren lassen. Die Frage ist, was man noch effektiv mit den F-16ern tun kann. Diese Studie spricht über die Karosserie und nicht über das Waffensystem.“

Das Thema wird wohl weiter heiß diskutiert werden. Teile der Armeeführung stehen in der Kritik und müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, sich nicht an die demokratischen Spielregeln zu halten, weil sie der Regierung wichtige Informationen vorenthalten. Angezählt ist damit Bundesverteidigungsminister Steven Vandeput (N-VA). Ihm könnte man vorwerfen, die Truppe nicht im Griff zu haben. Die flämischen Sozialisten SP.A werden hier nicht locker lassen. In Zeiten von Wahlkampf und politischem Streit haben sie jetzt ein heißes Eisen im Feuer, dass sie wohl gnadenlos nutzen werden.

Am 18. April wird die belgische Armeeführung in dieser Sache im parlamentarischen Verteidigungsausschuss angehört. In drei Wochen soll zum F-16-Lockheed-Vorgang zwischen Armee und Regierung auch das Resultat eines externen Audits vorliegen, denn Verteidigungsminister Vandeput dazu bestellt hat.