Mehr als 60 Prozent der Bürger will Einführung von Pfandflaschen

Rund 66 Prozent der Verbraucher ist für die Einführung von Pfandflaschen und -Dosen. Das geht aus einer 2017 durchgeführten Umfrage von Test-Aankoop (dt. Stiftung Warentest) bei 1.150 Mitgliedern und Nichtmitgliedern hervor. Die Verbraucherorganisation hat in einem öffentlichen Brief an die Bürgermeister für die Einführung von Pfandflaschen geworben.

Bei der Umfrage von Test-Aankoop sprachen sich 66 Prozent für die Einführung von Pfandflaschen aus. Knapp 90 Prozent der Befragten erklärte sich bereit, Dosen oder Flaschen gegen Pfand in den Supermarkt zurückbringen zu wollen. 82 Prozent findet zudem, dass Abfall ein großes Problem in seiner oder ihrer Region darstellt.

Dass sich die Ergebnisse von früheren Untersuchungen durch Fost Plus, FEVIA und Comeos unterscheiden - darin schienen nur 22 Prozent der Befragten für Pfandflaschen zu sein - liege laut Test-Aankoop an der Fragestellung. "In der Umfrage, die im Auftrag des Sektors durchgeführt wurde, wurden die Befragten jedenfalls vor die Wahl gestellt: Blaue Plastiktüte oder Pfandflaschen? Natürlich gibt es sehr viel weniger Verbraucher, die von einem funktionierenden System Abstand nehmen wollen."

Doch dieses System verhindert nicht, dass sich der Müll weiterhin an unseren Straßenrändern und in unseren Straßen ansammelt, so die Verbraucherorganisation. "Die Menschen sind es leid, Sonntags entlang zugemüllter Straßenränder und auf Pfaden zu joggen, auf denen sich leere Dosen und Flaschen stapeln."

Das müsse sich ändern. Am besten gelinge das nach dem Bottom-up-Prinzip, also von unten nach oben. Man müsse in der Gemeinde beginnen, sagt Test-Aankoop. "Sie, lieber Herr Bürgermeister, tragen jedenfalls das Gros der Kosten und Sie wissen so gut wie kein anderer, was Ihre Einwohner am meisten ärgert... Fragen Sie sich manchmal, warum kein Eisen oder Kupfer zwischen dem ganzen Müll liegen bleibt? Was Geld einbringt, ist kein Müll mehr, sondern wird zu Material und Geld wirft niemand weg."

Plastiktüte oder Pfandsystem?

Der Handelsverband Comeos hat an diesem Freitag in einer Reaktion wissen lassen, dass man sich Fragen zur Untersuchung von Test-Aankoop stelle. "Sie behaupten, dass aus ihrer Befragung hervogeht, dass für 82 Prozent der Leute Müll ein echtes Problem ist. Wie kann es dann sein, dass man im Gemeinde- und Stadtblatt der flämischen Regierung in dieser Woche zu dem Schluss gekommen ist, dass Abfall für 35 Prozent der Flamen ein echtes Problem darstellt?"

Hier liege ein Missverständnis vor, betont Comeos. "Es gebe eindeutig eine breite Mehrheit von Bürgern, die gegen die Müllberge in Flandern vorgehen wolle, aber es gebe keine Mehrheit, die für die Einführung von Pfand sei. Das sei ein Märchen,das bewusst vom Pfandverband hervorgebracht worden sei. Der würde wiederum vom Rücknahmeproduzenten Tomra dafür bezahlt, alle Stadtverwaltungen davon zu überzeugen, sich der Allianz anzuschließen, um mehr Druck auszüben.

Was laut Comeos nicht erwähnt würde, sei jedoch, dass der Pfand nur einen Teil des Problems löse: "Außer Dosen findet sich unter dem Müll nämlich auch Papier, Zigarettenstummel, Kaugummis etc. und das bleibt dann erst recht alles liegen."

Die Einführung eines Pfandsystems koste zudem sehr viel Geld. Sobald der Verbraucher darüber besser informiert sei, würde er die blauen Mülltüten dem Pfandsystem wohl doch vorziehen.