Liberale MR wäre größte Partei in Wallonien, sozialdemokratische PS wieder an Spitze in Brüssel

Wären heute föderale Wahlen in Belgien, würden die französischsprachigen Liberalen und Sozialisten wieder ganz oben mitmischen. Das geht aus dem Politbarometer hervor, das VRT NWS, De Standaard, RTBF und La Libre Belgique in Auftrag gegeben haben. Die linksextreme PTB, die in der letzten Umfrage im Oktober noch außergewöhnlich gut abschnitt, schneidet vergleichsweise etwas schlechter ab, die französischsprachige CDH scheint, wieder anzuziehen.

In Wallonien hat die liberale Mouvement Réformateur (MR) des Premiers Charles Michel die sozialdemokratische Parti Socialiste (PS) des ehemaligen Premiers Elio Di Rupo überholt. Die MR wäre jetzt, wären heute Wahlen, die größte Partei in der Wallonie. Sie wäre mit 23 Prozent etwas größer als die PS, die auf 22,1 Prozent käme. Im Vergleich zu den Wahlen von 2014 schneiden beide etwas schlechter ab: Die MR um 1,7 Prozent, die PS gar um 8,8 Prozent.

Die französischsprachigen Grünen von Ecolo, die bei der letzten Umfrage nach oben geschnellt waren, müssten sich wieder mit weniger zufrieden geben. Ecolo wäre mit 16,6 Prozent noch stets die dritte Partei Walloniens: Sie hätte etwas weniger Stimmen als die 18,5 Prozent in der letzten Umfrage, aber noch immer 9,3 Prozent mehr als ihr Wahlergebnis von 2014.

Die französischsprachigen Zentrumshumanisten von der CDH würden die linksextreme PTB von Raoul Hedebauw wieder überholen und erzielten nun 10,6 Prozent. Die PTB, die es bei der Umfrage im Oktober 2017 auf 14,8 Prozent schaffte, müsste sich jetzt wieder mit 10,1 Prozent zufrieden geben.

In Brüssel stünde PS wieder vorne

Trotz zahlreicher Skandale und Skandälchen läge merkwürdigerweise die französischsprachige sozialdemokratische PS in Brüssel mit 21,1 Prozent wieder vorne.

Das ist zwar noch immer 3,1 Prozent weniger als bei den Wahlen von 2014, doch viel besser als die 15,1 Prozent der letzten Umfrage. Die französischsprachigen Sozialdemokraten von Ministerpräsident Rudi Vervoort scheinen den Samusocial-Skandal tatsächlich hinter sich gelassen zu haben.

Die liberale MR würde wieder Wähler verlieren und 19,5 Prozent der Stimmen holen: Das ist 2,9 Prozent weniger als bei den Wahlen von 2014 und 1,2 Prozent weniger als bei der letzten Umfrage. Die französischsprachige grüne Partei Ecolo wäre die dritte Partei in Brüssel mit 15,1 Prozent, 5,2 Prozent mehr als bei den Wahlen von 2014. Danach würden DéFI mit 12,5 Prozent, CDH mit 8,7 Prozent und die linksextreme PTB-PVDA mit 5,6 Prozent folgen.

Die N-VA wäre die größte Partei auf niederländischsprachiger Seite mit 4 Prozent. Sie stünde damit vor der liberalen Open VLD (2,5 Prozent), Groen (2,3 Prozent), CD&V (1,8 Prozent), SP.A (0,6 Prozent) und Vlaams Belang (0,2 Prozent). Die populistische Parti Populaire (PP) würde 1,7 Prozent erreichen.

Wenig Vertrauen

Wie schon bei der letzten Umfrage scheinen die Wallonen kein starkes Vertrtauen in die belgische Regierung zu haben. 67 Prozent gibt an, der Michel-Regierung nicht zu vertrauen. 33 Prozent hat hingegen Vertrauen in die Regierung.

Die Umfrage von TNS KANTAR wurde im Auftrag der VRT NWS, De Standaard, RTBF und La Libre Belgique durchgeführt. Sie wurde telefonisch bei 750 Brüsselern zwischen dem 26. Februar und dem 21. März und bei 1.015 französischsprachigen in Wallonien wohnenden Wahlberechtigten im Zeitraum vom 26. Februar und 17. März 2018 abgenommen. Die Fehlermarge beträgt 3,1 Prozent.