Krokusse erinnern an deutschen "Todeszaun”

In der limburgischen Kleinstadt Maasmechelen werden über eine Länge von 17 Kilometern weiße Krokusse gepflanzt, um an das Ende des ersten Weltkriegs zu erinnern. Die Krokussen werden im kommenden Oktober entlang des so genannten „Todeszauns“ gepflanzt, den die deutschen Besatzer damals an der belgisch-niederländischen Grenze gebaut hatten.

Die Stiftung Verhalis möchte den „Todeszaun“ über eine Strecke von 350 Kilometern sichtbar machen. Auch in Ortschaften Bocholt, Neerpelt, Hamond-Achel und Kinrooi werden im Herbst Krokusse gepflanzt, um den Verlauf des Elektrozauns zu dokumentieren. In Maasmechelen werden die Krokusse über eine Strecke von 17 Km angepflanzt und das entlang eines Radwanderwegs an der Maas.

2000 Volt

Nach dem Kriegsausbruch 1914 gelang es immer mehr jungen Belgiern, über die Niederlande die Front in Flandern zu erreichen. Der deutsche Besatzer wollte deshalb die gesamte Grenze von Belgien zu den Niederlanden durch ein elektrisches Drahthindernis, eine tödliche Stromsperre, absperren. Die Arbeiten begannen im April 1915 und gingen vom Aachener Stadtgebiet bis an die Küste in Seeland.

Die Grenzsperre bestand aus drei Zäunen mit dazwischen liegenden Patrouillengängen: ein Warnzaun aus Stacheldraht zur niederländischen Seite hin, dann der eigentliche Elektrozaun und ein weiteres Drahthindernis zur belgischen Seite hin. Außerdem wurden einige Grenzabschnitte nachts durch riesige Scheinwerfer ausgeleuchtet, Sirenen meldeten jede Berührung.

Die Stromstärke, die zwischen 500 und 2000 Volt variieren konnte, wurde in Schalthäusern geregelt, die etwa alle 2 km angelegt waren. Auf vielfältige Weise gelang es Menschen den Draht zu überwinden, doch für viele Personen, deren genaue Zahl sich heute wohl nicht mehr ermitteln lässt, brachte er den Tod. Hunderten von belgischen Flüchtlingen, deutschen Deserteuren und alliierten Spionen hat der Elektrozaun den Tod gebracht. Sie verschmorten und verkohlten im Drahtgeflecht. Zeitgenössische Quellen sprechen von weit über 2000 Opfern, darunter auch viele Frauen und Kinder.

Bis Kriegsende sollen etwa 20 000 bis 25 000 Menschen - so die Schätzung des Antwerpener Romanisten Alex Vanneste - über das monströse "Grenzhochspannungshindernis" in Richtung Niederlande geflohen sein. Heute erinnern nur noch die Reste zerborstener Keramik-Isolatoren und verrosteter Drahtstücke entlang den alten Grenzpfaden an den "Todeszaun" des Ersten Weltkriegs.