Europarat sagt: Zu wenig flämische Schulen sind inklusiv

Belgien schändet das Recht auf inklusiven Unterricht. Zu wenige Schulen heirzulande würden Schüler mit einer geistigen Behinderung integrieren. Das sagt der europäische Ausschuß für soziale Grundrechte des Europarates in Straßburg, nach der Klage einer Menschenrechtsorganisation für Personen mit Behinderung.

Kinder mit einer Behinderung würden noch zu häufig vom klassischen Unterrichtswesen ausgeschlossen. 2015, mit dem Beginn des M-Dekrets in Flandern, saßen 50.144 Schüler der Grund- und Sekundarschulen in Sonderschulen. Zwei Jahre später waren es noch immer 46.734. Dieser Rückgang sei unzureichend, lautet die Kritik.

Der europäische Ausschuß für soziale Grundrechte des Europarates in Straßburg kontrolliert, ob die 47 Mitgliedsländer die europäische Sozialcharta auch umsetzen. Diese enthält Empfehlungen zu den sozialen Grundrechten. Der Ausschuß wickelt auch Klagen hierzu ab.

Die Schulen dürfen ein Kind weigern, wenn die Sorge um dieses Kind eine unangemessen große Anpassung mit sich bringen würde. Doch das passiere zu leicht und zu häufig, befindet der europäische Ausschuß für soziale Grundrechte. Folglich wird gegen das Recht auf inklusiven Unterricht für Kinder mit einer geistigen Behinderung verstoßen.

"Es liegen mehrere Verstöße vor. Der Hauptverstoß ist, dass noch viel zu häufig auf Sonderschulen weiterverwiesen wird. Und wenn Schüler im klassischen Unterrichtswesen abgelehnt werden, können Eltern kaum etwas dagegen unternehmen", so Patrick Vandelanotte von der Menschenrechtsorganisation für Personen mit Behinderung GRIP. "Drittens gibt es im klassischen Unterrichtswesen viel zu wenig Unterstützung für Schüler mit einer Behinderung."

Das M-Dekret, das Kindern das Recht auf Unterricht in einer gewöhnlichen Schule gibt, funktioniert also noch nicht, betont der Ausschuß.

"Der inklusive Unterricht ist für alle Schüler die beste Lösung. Das M-Dekret ist für die meisten eine Brücke. Hier hat man sich entschieden, den inklusiven Unterricht für mehr Kinder zu ermöglichen, aber es ist noch keine Vervollständigung des inklusiven Systems. Mit dem M-Dekret haben wir eine Art 'inklusiv light' geschaffen", so Vandelanotte noch.

Die Aussprache des Ausschusses ist nicht bindend, sondern bewertend und damit politisch maßgeblich.