102. Ausgabe der Flandern-Rundfahrt

Am Ostersonntag folgt nach Mailand-San Remo mit der Flandern-Rundfahrt der zweite Höhepunkt der diesjährigen Radsaison. Als heißer Anwärter auf den Sieg beim Klassiker in Belgien gilt das einheimische Team QuickStep um Vorjahressieger Philippe Gilbert.
2017 Tim de Waele

Die 102. Ausgabe der „Ronde" – wie die Flandern-Rundfahrt hierzulande voller Respekt genannt wird – verläuft über 266,5 km Kilometer zwischen Antwerpen und Oudenaarde, also quer durch Flandern. Es ist das wichtigste Radrennen in Belgien und ein riesiges Radsportfest. Massen an Radsportfans säumen die Strecke und machen das knüppelharte Rennen durch die flämischen Ardennen für die Profis zu einem einzigartigen Erlebnis.

Die Fahrer machen sich bereits seit Tagen mit dem Parcours der „Ronde“ vertraut. Der Paterberg, eine 400 Meter lange, bis zu 20 Prozent steile Passage auf denkmalgeschütztem Pflaster ist die letzte Steigung vor dem Ziel und erlangt dadurch vorentscheidenden Charakter. Zudem kehrte seit dem letzten Jahr die legendäre „Muur (dt.: Mauer) von Geraardsbergen“ zurück in den Streckenplan. Und der supersteile Pflasteranstieg ist die Schlüsselstelle des Rennens. Vom Gipfel der berühmten Mauer sind es aber noch 94 Kilometer bis ins Ziel.

Die Teilnehmer der Flandern-Rundfahrt erwartet insgesamt ein erbarmungsloser Ritt über 18 giftige Steigungen – die so genannten „Hellinge“ oder Hügel - und fünf, in der Regel extrem schmale Kopfsteinpflasterabschnitte.

Wer sind die Favoriten?

Weltmeister Peter Sagan aus der Bora-hansgrohe-Mannschaft plant seinen zweiten Ronde-Triumph nach 2016. Die Voraussetzungen sind gut, wie vor zwei Jahren gewann der extrovertierte Slowake im Vorfeld den Halbklassiker Gent-Wevelgem.

Der flämische Olympiasieger Greg van Avermaet (Belgien/BMC Racing, Foto), seine Landsleute Sep Vanmarcke (EF Education First-Drapac), Tiesj Benoot (Lotto-Soudal) und eben Philippe Gilbert gehören ebenso dazu wie Vincenzo Nibali (Bahrain-Merida), der beim Erfolg bei Mailand-San Remo seine gute Form unter Beweis stellte, zu den Titelanwärtern.

Van Avermaet hatte im Vorjahr die Rennen in seiner Heimat praktisch nach Belieben dominiert. Er gewann drei Halbklassiker, wurde bei der Flandern-Rundfahrt Zweiter und fuhr eine Woche später bei Paris-Roubaix seinen ersten Sieg bei einem der fünf Radsport-Monumente ein.

In diesem Jahr fällt der Siegertipp besonders schwer, denn die Favoriten scheinen alle auf einem Leistungsniveau zu liegen. Die Tagesform und die Taktik werden entscheiden. Zu den Außenseitern gehört auch Jasper Stuyven. Der Belgier vom Trek-Segafredo-Team kann sich auf die Unterstützung von John Degenkolb verlassen, muss im Finale aber selbst bei Sagan und Co. mitfahren können. Auch der Italiener Gianni Moscon ist ein Fahrer, den man auf der Liste haben sollte.

2017 Tim de Waele