61.000 Facebookaccounts in Belgien betroffen

Die Zahl der vom Datenskandal bei Facebook betroffenen Nutzer ist höher als bislang angenommen. Laut dem sozialen Netzwerk wurden die Daten von bis zu 87 Millionen Usern mit Cambridge Analytica geteilt. Auch in Belgien sollen knapp 61.000 Facebookaccounts von dem Datenmissbrauch betroffen sein. "Das Ganze ist ein enormer Vertrauensbruch. Es wird Jahre dauern, um dieses Vertrauen wieder herzustellen", sagte Facebook-Chef Mark Zuckerberg in einer Telefon-Konferenz mit Journalisten, darunter auch einem VRT-Journalisten.

Zunächst hatte Facebook einräumen müssen, dass die britische Datenanalysefirma Cambridge Analytica die Daten von 50 Millionen Nutzern abgeschöpft habe. Jetzt muss das soziale Netzwerk gestehen, dass es sich um vermutlich 87 Millionen Nutzer handelt, darunter auch 60.957 Belgier.

Zuckerberg betreibt derzeit Krisenkommunikation, um das negative Image, das Facebook durch den Skandal bekommen hat, wieder  umzukehren. Normalerweise gibt der Unternehmensgründer und Vorstandschef Mark Zuckerberg nur selten Interviews. Jetzt hat er eine Telefon-Konferenz mit einem Dutzend Journalisten weltweit gegeben. Darunter war auch ein VRT-Journalist. In dem Gespräch betonte Zuckerberg, dass er nicht vorhabe, zurückzutreten. Er gibt jedoch zu, dass Facebook in der Vergangenheit zu lasch mit "Privacy" umgegangen sei. "Ich denke, dasss man im Leben aus seinen Fehlern lernen muss."

Wenn man mit etwas bahnbrechendem wie Facebook beginne, sei es normal, dass man Fehler mache. "Hätten wir das hier gut gemacht, hätten wir woanders Fehler begangen."

Seit dem Datenleck wird von einigen zur Löschung von Facebookaccounts aufgerufen. Der Aufruf mit dem Hashtag #DeleteFacebook habe laut Zuckerberg kaum Auswirkungen. Es zeige aber den großen Vertrauensbruch, der entstanden sei. "Es wird uns Jahre kosten, um das Vertrauen wiederherzustellen."

Verwendung der Daten für mehr Nutzerfreundlichkeit?

Am 25. Mai treten in Europa neue, strengere Datenschutzregeln in Kraft. Zuckerberg zufolge sei das positiv. "Die Mehrzahl unserer Privacy-Einstellungen sind schon seit Jahren hierfür eingerichtet", so Zuckerberg. Allerdings seien diese Einstellungen schwer zu finden. "Wir müssen das den Nutzern besser erklären." Weiter betonte der Facebook-Chef, dass es keine separaten europäischen Einstellungen geben werde. Gute Einstellungen müssten weltweit für die Nutzer zur Verfügung stehen.

Laut Facebook gebe es immer noch viele Mißverständnisse über das, was Facebook mit den Daten der Nutzer mache. "Sie als Nutzer haben Kontrolle über das, was Sie ins Netz stellen und teilen", so Zuckerberg. Nur ein begrenzter Teil der Daten, die FB speichere, erfolge durch das Verfolgen des Surfverhaltens der Nutzer mit "Tracker". "Wir verkaufen Ihre Informationen niemals weiter. Das müssen wir deutlicher machen", sagte er. "Wir nutzen die Daten, um den Service des Netzwerks zu verbessern."

Die von dem Skandal getroffenen belgischen Nutzer können Anzeige bei der "Privacy-Commissie" erstatten. "Wir sind schon seit Jahren gemeinsam mit anderen europäischen Ländern wie Frankreich, den Niederlanden, Deutschland und Spanien damit beschäftigt, etwas gegen die Anomalien von Facebook zu unternehmen", heißt es bei der Datenschutzkommission.

Wer wissen will, ob er gehackt wurde, kann dies über https://haveibeenpwned.com/ oder über https://gotcha.pw/ herausfinden.