Weiterer Schritt im Kampf gegen krebserregende Stoffe am Arbeitsplatz

In Europa stellt die Krebserkrankung das größte Gesundheitsrisiko am Arbeitsplatz dar: Mehr als die Hälfte der arbeitsbedingten Todesfälle pro Jahr sind auf Krebs zurückzuführen. Zur Gewährleistung des Schutzes der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer vor solchen Risiken gibt es deshalb schon seit Jahren eine europäische Richtlinie.

Die für Beschäftigung, Soziales, Qualifikationen und Arbeitskräftemobilität zuständige EU-Kommissarin Marianne Thyssen hat jetzt vorgeschlagen, neue Grenzwerte für fünf krebserzeugende Chemikalien einzuführen.

"Die Grenzwerte legen die Höchstkonzentration fest, in der eine krebserzeugende Chemikalie in der Luft am Arbeitsplatz vorhanden sein darf. Der Vorschlag beruht auf wissenschaftlichen Erkenntnissen sowie auf umfassenden Gesprächen mit relevanten Interessenträgern, insbesondere Arbeitgebern, Arbeitnehmern und Vertretern der Mitgliedstaaten", definiert ein Pressebericht der Kommission den Begriff "Grenzwert".

Bei den fünf krebserzeugenden Chemikalien handelt es sich um die Karzinogene: Cadmium und seine anorganischen Verbindungen, Beryllium und anorganische Berylliumverbindungen, Arsensäure und ihre Salze sowie anorganische Arsenverbindungen, Formaldehyd und 4,4′-Methylenbis(2-chloranilin) (MOCA).

Mit dieser Maßnahme sollen schätzungsweise 22.000 arbeitsbedingte Krankheitsfälle verhindert werden können. Karzinogene werden z.B. bei der Glasherstellung, der Elektronik-, Chemikalien-, Bau- und Gesundheitsbranche, bei der Kunststoffherstellung und im Recyclingprozess in großem Umfang eingesetzt.

"Die Einführung dieser Grenzwerte wird nicht nur zu einer geringeren Zahl arbeitsbedingter Krebserkrankungen führen, sondern auch andere gravierende gesundheitliche Probleme eindämmen, die durch Karzinogene und Mutagene hervorgerufen werden. So verursacht etwa die Exposition gegenüber Beryllium neben Lungenkrebs auch unheilbare chronische Berrylliose", heißt es in dem Pressebericht der Kommission weiter.

Zuvor hatte Thyssen bereits 21 Chemikalien der europäischen Liste mit Krebserzeugern hinzufügen lassen. Die neue Maßnahme soll zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen von über 1 Mio. Arbeitnehmern in der EU beitragen. "Heute hat die Kommission einen weiteren wichtigen Schritt im Kampf gegen arbeitsbedingte Krebserkrankungen und andere gravierende gesundheitliche Probleme am Arbeitsplatz unternommen", betonte Thyssen in dem Pressebericht auch noch.