Antwerpens Hafen setzt weiter auf die Bahn

Die belgische Cargobahn-Gesellschaft Lineas (früher B-Logistics) verbindet ab sofort dreimal pro Woche die französische Rhône-Alpes-Region um Lyon und den belgischen Hafen von Antwerpen. Die Züge, die unter dem Label „Lyon Xpress“ laufen, sind bereits seit Mitte März unterwegs. In Antwerpen ist man übrigens nicht abgeneigt, das Gleisnetz des Hafens von der belgischen Bahn zu übernehmen und selbst zu betreiben.

Mit dem „Lyon Xpress“, der dreimal wöchentlich den den südfranzösischen Wirtschaftsraum Lyon mit dem belgischen Hafen Antwerpen zu verbindet, ist Lineas ein wichtiger Schachzug gelungen.

Mit dem Angebot, dass noch im Laufe dieses Sommers von klassischen Güterzügen auf intermodale Angebote erweitert werden soll, erhält der Großraum Lyon eine direkte Verbindung mit wirtschaftlich wichtigen Regionen in Norddeutschland, den Niederlanden und dem skandinavischen Raum.

Im Gegenzug bietet der Güterbahnhof von Lyon direkte Anschlüsse in Richtung Hafen von Fos/Marseille am Mittelmeer. Der „Lyon Xpress“ ist bereits die dreizehnte Verbindung im Lineas-Güternetz „Green Express Network“ (GXN) und Partner ist die Eurotunnel-Cargotochter Europorte. Die neue Verbindung zwischen Lyon und Antwerpen erfolgt über den Hafen Lérouville am Canal de la Meuse bei Nancy in den Vogesen und die Fahrzeit der jeweiligen Züge dauert etwa sechzehn Stunden.

Eigenes Bahnnetz für den Hafen von Antwerpen?

Das Areal des Hafens von Antwerpen umfasst ein Bahnnetz von über 1.000 km. Darunter sind mehrgleisige Güter- und Rangierbahnhöfe, in denen die Züge aufgeteilt oder zusammengestellt werden, Anbindungen an die verschiedenen (Container)Terminals, Anschlüsse an Unternehmen und Werke, wie z.B. BASF, und anderes mehr.

Betrieben wird dieses Netz von der belgischen Bahngesellschaft NMBS/SNCB bzw. vom bahneigenen Infrastruktur-Dienstleister Infrabel. Nach verschiedenen Meldungen belgischer Wirtschaftsmedien verhandelt der Hafen bereits seit geraumer Zeit mit Infrabel, um dieses Gleisnetz selbst zu verwalten und zu betreiben.

Laut der flämischen Wirtschaftszeitung De Tijd soll es im Laufe des Frühjahrs zu Spitzengesprächen zwischen Hafenbetrieb und Bahn kommen, bei denen Flanderns Landesverkehrsminister Ben Weyts (N-VA) zugegen sein wird. Infrabel ist nicht unbedingt geneigt, die Hafengleise abzugeben, bestätigt aber Gespräche mit einem „konstruktiven Partner“. Die Hafenverwaltung will den Transportanteil von Antwerpen erreichenden und verlassenden Waren und Gütern per Bahn drastisch erhöhen. Derzeit befördert die Bahn nur knapp 7 % des dortigen Frachtaufkommens.