Vor 75 Jahren: Tödliches "Friendly Fire" auf Mortsel

Am 5. April 1943, um halb vier am Nachmittag, heulten in Mortsel unweit von Antwerpen die Sirenen. An diesem Tag mitten im Zweiten Weltkrieg viel aus amerikanischen und britischen Flugzeugen ein Bombenhagel auf die kleine Stadt herunter. Das Ziel der Bomber waren die ehemaligen Werkshallen der Automobilfirma Minerva, wo die Deutschen Flugzeuge warteten und Bauteile für Kriegsgerät herstellten. Doch die Bomben verfehlten ihr Ziel und gingen über dem Ortskern nieder…

„Front-Reparaturbetrieb Erla VII“, so hießen die ehemaligen Minerva-Werkshallen in Mortsel während des Zweiten Weltkriegs. Hier wartete die deutsche Luftwaffe angeblich Jagdflugzeuge vom Typ Messerschmidt ME 109 und die Alliierten vermuteten, dass dort auch Bauteile für Flugzeuge und Raketen hergestellt wurden. Also sollten die Anlagen bombardiert werden.

Am 5. April 1943, vor genau 75 Jahren, war es dann soweit. US-amerikanische und britische Bomber erhielten den Befehl, „Erla“ in Mortsel anzugreifen. Doch die Geschwader der Alliierten wurden von der deutschen Luftwaffe und von Flugabwehrstellungen in der Region behindert und so verfehlten die allermeisten der 800 abgeworfenen Bomben ihr Ziel. Nur 5 Bomben fielen auf „Erla“. Die anderen trafen den Ortskern der Stadt und richteten ein Drama an.

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Die meisten Bomben trafen das Viertel Oude God in Mortsel und auch vier Schulen der Stadt wurden völlig zerstört. Insgesamt kamen nach neuesten Erkenntnissen 936 Menschen bei dem Angriff ums Leben. 200 davon waren Kinder und Jugendliche in den Schulen. Der Bombenangriff auf Mortsel war das schwerste Bombardement im Bereich der Benelux-Länder während des Zweiten Weltkriegs. Selbst das verheerende Bombardement auf Rotterdam forderte weniger Leben, als dieser Angriff hier vor 75 Jahren.

Weil Mortsel einem Angriff von „befreundeten Armeen“, also „Friendly Fire“ zum Opfer fiel, wurde der Angriff vom 5. April 1943 unter den Teppich gekehrt. Die Alliierten und die belgischen Regierungen sahen es nicht gerne, dass diesem schrecklichen Vorfall Aufmerksamkeit gewidmet werden sollte. Erst seit 2004 ist dieser Teil der Geschichte auch offiziell anerkannt und erst 2011 nahm mit Howard Gutman zum ersten Mal ein amerikanischer Botschafter in Belgien offiziell an der jährlichen Gedenkfeier in der kleinen Stadt bei Antwerpen teil.

Gedenken 75 Jahre danach

Am Donnerstag, dem 75. Jahrestag des Bombardements, kamen in Mortsel wieder viele Menschen zusammen, um den Opfern von damals zu gedenken (Foto unten). Daran nahmen auch einige ältere Einwohner von Mortsel teil, die den Angriff von damals überleben konnten. Viele von ihnen verloren vor ihren Augen Freunde und Klassenkameraden, andere auch gleich mehrere Angehörige. Der Angriff von 5. April 1943 auf Mortsel gehört zur kollektiven Erinnerung der Bewohner - damals wie heute…