Die Wellenbrecher an der Küste bleiben erhalten

Im Gegensatz zu den Niederlanden will Belgien, bzw. das belgische Bundesland Flandern die Wellenbrecher an der hiesigen Nordseeküste vorerst erhalten. In unserem Nachbarland gelten die Wellenbrecher als unnatürlich und sogar als gefährlich, doch an der hiesigen Küste haben sie weiter eine wichtige Funktion.

Die länglichen Steinhügel, die vom Strand aus ins Wasser der Nordsee reichen, werden allgemeinhin als Wellenbrecher bezeichnet. So nennt sie hier auch der Volksmund. Eigentlich aber sind Wellenbrecher Buhnen oder Buhnenköpfe (in Niederländisch „strandhoofd/strandhoofden“).

Ursprünglich wurden sie angelegt, um der Erosion der Stände entgegenzuwirken. Sie sollten und sollen verhindern, dass die Wellen der Nordsee den Sand wegspülen. Heute aber werden die Strände in Flandern mit zusätzlich herangeschafftem Sand verstärkt, was die Wellenbrecher bzw. Buhnen eigentlich überflüssig macht.

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In den Niederlanden gibt es Bestreben, die Wellenbrecher von den Stränden zu entfernen. Sie würden nicht zum ursprünglichen Küstenverlauf gehören und sie seien gefährlich. Sie würden Strömungen verursachen, die eine Gefahr für Schwimmer darstellen, so die Argumentation. Und wenn jemand auf einer Buhne stürzt, kann er sich mitunter verletzen. In Flandern wird diese Ansicht aber nicht geteilt und es droht auch kein Abbruch der Buhnen an unseren Stränden.

Jan Seys vom Flämischen Institut für die Zee (VLIZ) geht jedenfalls nicht davon aus, dass die Wellenbrecher hier verschwinden werden, wie er am Mittwochmorgen gegenüber dem VRT-Sender Radio 1 angab: „Obschon unsere Strände regelmäßig verstärkt werden, tragen unsere Buhnen noch immer zur Befestigung bei. Die Niederlande können ihre Wellenbrecher einfach abbrechen, weil das Land über große Sandstrände verfügt. Dort sind manche Sandlagen bis zu 100 m dick. Unser Land hat keine solchen Reserven und muss demnach sparsamer mit seinem Sand umgehen.“

127 Buhnen an Flanderns Küste

Die hiesige Nordseeküste zählt 127 Wellenbrecher, die jeweils etwa 350 m auseinanderliegen. Die meisten dieser Buhnen sind aus Steinbrocken entstanden, die bei Bauprojekten oder im Bergbau abgebaut wurden. Beim Anlegen der Buhnen wurden diese Steinbrocken mit einem Fundament aus Zement verbunden. Obschon sie nicht natürlich entstanden sind, wurden sie im Laufe der Jahrzehnte zu Biotopen für allerlei Pflanzen und Tiere.

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Würden die Buhnen verschwinden, so Jan Seys, dann würde Flora und Fauna verschwinden, die heute nur noch dort zu finden sind oder die zumeist hier ihren heutigen Lebensraum haben: „Muscheln zum Beispiel brauchen eine harte Oberfläche, an die sie sich mit ihren Bartharen befestigen können. Auf Sand gelingt ihnen das nicht.“

Eigentlich sind die Wellenbrecher im Laufe der Zeit in der Natur aufgegangen und für „jede Menge Leben“ ist es wichtig, dass sie bestehen bleiben, heißt es dazu beim Flämischen Institut für die Zee. Sie werden wohl noch eine Zeit lang bestehen bleibe. Ob sie dem niederländischen Beispiel folgen und doch eines Tages verschwinden müssen, wird die Zukunft erweisen.

Eine natürliche Küste sei die beste Küste, die man sich vorstellen könnte, so Jan Seys, doch „Flandern muss seinen eigenen Weg gehen, um dahin zu gelangen.“ Derzeit habe ein Abriss der Buhnen keinen Sinn. Es sei besser, so Seys, einen Plan für die Zukunft zu schmieden, mit dem man dem steigenden Meeresspiegel und der Erosion nachhaltig etwas entgegensetzen könne.

©Harry Gruyaert / Magnum Photos