Jugendliche: Lieber Geld verdienen als studieren?

Der Wirtschaft in Belgien und in seinen Regionen geht es gut und auf dem Arbeitsmarkt werden derzeit viele Stellen angeboten. Das sorgt dafür, dass viele Jugendliche die Schule verlassen oder ihr Studium abbrechen, um letztendlich auch ohne Diplom oder Abschluss arbeiten zu gehen. Das allerdings treibt dem Bindungswesen Sorgenfalten ins Gesicht, zum Beispiel in Flandern.

Für Flanderns Landesbildungsministerin Hilde Crevits (CD&V – kl. Foto) ist zumindest ein Basisabschluss wichtig, falls es einmal schlechter um Wirtschaft und Arbeitsmarkt bestellt ist. Bis zu 10 % der Schüler im belgischen Bundesland Flandern verlassen pro Unterrichtsjahr die Schule ohne ein Diplom, so Crevits: „Wir waren dabei, diese Zahl wieder zu senken, doch wir haben letztes Jahr gemerkt, dass die Zahlen zum ersten Mal seit Jahren wieder steigen.“

Ein Grund für dieses Phänomen, wenn nicht der Hauptgrund, ist die Tatsache, dass auf dem Arbeitsmarkt auch in Flandern viele Stellen angeboten sind und die Arbeitgeber locken junge Menschen mit attraktiven Löhnen und Gehältern. Laut Bildungsministerin Crevits fangen die Jugendlichen mit Ferienjobs an und kehren danach nicht mehr auf die Schulbank zurück.

Crevits zeigt Verständnis für die Arbeitgeber. Die Auftragsbücher sind voll und die Unternehmen suchen händeringend nach neuem und geeignetem Personal: „Es entsteht der Schein, dass man durch lebenslanges Lernen eigentlich kein Diplom mehr braucht, doch dies bleibt eine Basisbedingung. Wir müssen die jungen Leute mit einem Basisabschluss wappnen, für den Fall, dass es uns einmal schlechter geht.“

Duales Lernen und "Technikakademien"

Der flämische und Brüsseler Unternehmer- und Mittelstandsverband Unizo ist der Ansicht, dass die Arbeitgeber bei der Suche nach Personal und im späteren Verlauf ihrer Arbeit begleitet werden müssen, denn die Suche nach Fachkräften vor allem im technischen Bereich sei nicht einfach. Das flämische Bildungsministerium setzt hierbei verstärkt auf das duale Lernen, wobei Jugendliche in der Ausbildung sowohl zur Schule gehen, als auch Erfahrungen am Arbeitsplatz sammeln.

Die Schulen empfehlen derzeit ebenfalls ihren Schülerinnen und Schülern, einen technischen oder wissenschaftlichen Weg einzuschlagen. Das dies Erfolg hat, lassen die Wartelisten für eine Teilnahme an den sogenannten „Technikakademien“ der Schulträger sehen. Hier können Jugendliche an schulfreien Mittwochnachmittagen oder an Samstagen Schnupperkursen folgen. Leider, so die flämische Bildungsministerin dazu, raten Eltern ihren Kindern sehr häufig von einer technischen Ausbildung ab oder verbieten sie sogar.