Jüdische Verbände sind sauer auf die ProLeague

Zwei jüdische Verbände haben den belgischen Fußballverband ProLeague dazu aufgefordert, seine Nulltoleranz-Haltung in Sachen Rassismus und Antisemitismus auch wirklich durchzusetzen. Am vergangenen Wochenende hatten Fans von Beerschot-Wilrijk beim Lokalderby gegen Antwerp FC ein antijüdisches Spanntuch aufgehängt (Foto), was den gesamten Spielverlauf über zu sehen war. Zudem sangen Beerschot-Fans antijüdische Schmähgesänge. Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft von Antwerpen Ermittlungen aufgenommen.

Während der gesamten Partie Beerschot-Wilrijk gegen Antwerp FC waren aus Richtung der Beerschot-Fans Schmähgesänge gegen die jüdische Gemeinschaft in Antwerpen zu hören und zudem war 90 Minuten lang ein Spanntuch zu sehen, auf dem ein durchgestrichener Judenstern zu erkennen war.

Das Spanntuch war wie ein Verkehrsschild aufgebaut, trug aber die Vereinsfarben von Beerschot-Wilrijk. Der Antwerpener Verein ist bereits mehrmals von der ProLeague ermahnt worden, solches und ähnliches zu unterlassen, doch am Wochenende nahm die Sache wieder Überhand.

Das Forum der Jüdischen Organisationen (FJO) und das Koordinations-Komitee der Jüdischen Organisationen in Belgien (CCOJB) nennen die Vorgänge vom letzten Wochenende eine „verpasste Chance“. Beide Verbände weisen dabei auf eine interne Richtlinie bei der ProLeague, über die rassistische Schmähgesänge und diskriminierende Sprechchöre aus den Stadien des Landes zu verbannen.

„Eigentlich hätte dieses Spanntuch entfernt werden müssen. Jetzt war es das ganze Spiel lang zu sehen. Das Spiel hätte auch eben unterbrochen werden können“, so David Braun, der Sprecher des FJO. Beide Verbände drängen darauf, dass der Verband der Profivereine im belgischen Fußball endlich seine eigenen Regeln anwendet, nach der die „ausnahmslose Nulltoleranz angewendet wird, um jegliche Form von Rassismus und Antisemitismus endlich aus unseren Stadien zu verbannen.“

Ermittlungen

04/05/18 - Am Freitag wurde bekannt, dass die Antwerpener Staatsanwaltschaft in diesem Zusammenhang Ermittlungen aufgenommen hat. Hier wird wegen Rassismus ermittelt und nach der Identität von Verursachern gesucht. Dabei geht es um jene, die das Spanntuch aufgehängt haben aber auch um Fangruppen, die antisemitische Schmähgesänge brachten und die Antwerp-Spieler und -fans als „Juden“ beschimpften.

Belgiens Innenminister Jan Jambon (N-VA) verurteilte die Vorgänge am Rande des Fußballspiels Beerschot gegen Antwerp und bezeichnete Antisemitismus und Rassismus nicht nur in diesem Zusammengang als „verwerflich“.