5 Jahre nach Wetteren - Sicherheit bei der Bahn?

Vor fünf Jahren war in Wetteren in der Provinz Ostflandern ein Güterzug mit Tankwaggons entgleist. Einige der Tankwaggon hatten chemische Produkte geladen und waren in Brand geraten. Giftstoffe und verunreinigtes Löschwasser waren damals in die Kanalisation gelangt und die Rauchwolken des Feuers sorgten für eine weitere Umweltverschmutzung. Heute, fünf Jahr danach, stehen noch immer Fragen zur Sicherheit im Gütertransport bei der belgischen Bahn im Raum.

Bei dem Bahnunfall von Wetteren in der Nacht vom 3. auf den 4. Mai 2013 kam eine Person ums Leben, 17 Personen wurden verletzt, etwa 1.200 Bewohner der ostflämischen Stadt atmeten unsaubere Luft ein und über 2.000 von ihnen mussten teilweise für längere Zeit evakuiert werden.

Damals entgleiste in Schellebelle an der Ortsgrenze zu Wetteren ein Chemikalienzug, der aus den Niederlanden kam und auf dem Weg zum Hafen von Gent war. Sechs der 13 Waggons waren dabei entgleist und zwei von ihnen, mit dem giftigen Produkt Acrylnitril beladen, stürzten um und fingen Feuer. Giftige Gase traten aus und gelangten in die Kanalisation, was durch das Löschwasser weiter begünstigt wurde und auch der Rauch des Feuers konnte nicht als ungefährlich eingestuft werden.

Die Ursache des Unfalls steht heute fest. Der niederländische Lokführer des Zuges war zu schnell unterwegs und als sein Zug über eine Weiche fuhr, entgleisten die Waggons und stürzten um.

Wie steht es um die Sicherheit?

Patrick Lafontaine, Fachmann in Sachen Sicherheit im Schienenverkehr und Gutachter nach Eisenbahnunfällen in unserem Land, sagte am Freitag bei Radio 1 hier bei der VRT, dass ein Sicherheitssystem, dass einen Zug bei Fehlverhalten des Lokführers automatisch zum Stehen bringt, in Belgien noch immer nicht flächendeckend zur Anwendung kommt: „Dieses System ist bis heute nur teilweise auf dem hiesigen Schienennetz eingeführt.“

Schon nach den verheerenden Bahnunfällen von Buizingen in Flämisch-Brabant im Februar 2010 und Saint-Georges-sur-Meuse bei Lüttich im Juni 2016 sollte ein umfassendes Sicherheitssystem eingeführt werden: „Damals war eine der Schlussfolgerungen, dass unser Schienennetz schlecht gesichert ist und dass ein Sicherheitssystem im ganzen Land eingeführt werden müsse.“

Das aber sei bis heute nicht geschehen, was sehr bedauerlich ist, so Lafontaine: „Nach Wetteren hat es einige weiter schwere Zugunfälle gegeben. (…) Im vergangenen Jahr passierte in Löwen etwas gleichartiges, wie in Wetteren, als ein Reisezug entgleiste, nach dem der Lokführer zu schnell über eine Weiche gefahren war. Das System müsste also schon längst eingeführt sein.“

Zu spät angefangen…

Während in den meisten Ländern in Europa längst Sicherheitssysteme angewendet werden, die über eine sogenannte „Zwangsbremsung“ Züge bei technischen Fehlern oder bei Fehlverhalten von Lokführern zum Stehen bringen, ist das in Belgien noch nicht überall der Fall.

Die belgische Bahngesellschaft NMBS/SNCB, bzw. der bahneigene Infrastrukturdienstleister Infrabel, haben mit der Einführung solcher Systeme einfach zu spät angefangen - erst nach Buizingen, so Sicherheitsexperte Patrick Lafontaine. Die Bahn will damit bis 2023 flächendeckend fertig sein.

Die Sicherheitssysteme, die in Belgien zur Anwendung kommen, sind das belgische System TBL 1+ (Transmission Balise Locomotive) - ein automatisches Brems- und Nothaltesystem - und das europäische Sicherheitssystem ETCS (European Train Control System), das TBL 1+ mittelfristig überflüssig machen soll.