Zeitgeschichte: Karl Marx und seine Zeit in Brüssel

In diesen Tagen feiert die Welt den 200. Geburtstag von Karl Marx (1818-1883). Der Mitbegründer des Kommunismus kam in Trier zur Welt und verstarb in London. Drei Jahre lang, von 1845 bis 1848, lebte er in Brüssel und hier entstanden wesentliche Teile seines „Kommunistischen Manifestes“. Von hier aus baute Marx wohl auch sein europäisches Netzwerk von Mitstreitern auf.
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Karl Marx war schon in jungen Jahren ein sehr progressiv eingestellter Mensch und mit seinen Ansichten verstörte er zunächst seinen Arbeitgeber, die Rheinische Zeitung in Köln, und später auch die Behörden in Paris.

Beide Städte musste Marx in Mitte des 19. Jahrhunderts aus politischen Gründen verlassen.

Bewusst zog es ihn damals nach Brüssel, der Hauptstadt des jungen Königreichs Belgien. Hier fanden seine progressiven Thesen schnell Anhänger, denn in Brüssel verdingten sich damals viele aus Deutschland stammende Arbeiter.

Und Belgien hatte damals eine weltoffene Verfassung mit einer strikten Trennung der Gewalten und einer ausgesprochenen Pressefreiheit.

Hier tummelten sich zu dieser Zeit viele Revolutionäre, die ihn ihrer Heimat in Ungnade gefallen waren, z.B. Victor Hugo oder Charles Baudelaire, wie der flämische Historiker und Marx-Kenner Edward de Maesschalk in seinem Buch „Marx in Brüssel“ schreibt.

"Klassenlose Gesellschaft"

In Brüssel bildeten sich damals die ersten kommunistischen Verbände und schnell gab es enge Kontakte zu Gleichgesinnten in ganz Europa. Hier traf Marx auch seinen Mitstreiter Friedrich Engels. Beide waren sich einig, dass sich der Kapitalismus irgendwann der Arbeiterklasse beugen müsse und das die klassenlose Gesellschaft bald ein Fakt sei…

In Brüssel hatte Karl Marx viel Zeit zum reflektieren und 1848 erschien „Das Kommunistische Manifest“, das hier in der belgischen Hauptstadt bedacht und entstanden war. Brüssel lieferte die Vorlage zum Klassenkampf, denn hier beäugten sich die Bewohner der Arbeiterviertel in der „Unterstadt“ und die Bourgeoisie in der „Oberstadt“ ständig und die Armen wurden ärmer, während die Reichen immer reicher wurde.

Brüssel schien sich so zu entwickeln, wie das kapitalistische und industrialisierte London schon damals war. Das wusste Marx nicht zuletzt von Engels, der dazu Schriften verfasst hatte. Dies bestätigte sich auch während der Hungersnot von Belgien 1846, als eine missratene Kartoffelernte das Land heimsuchte, wie Edward de Maesschalk dazu schreibt.

Die Lage ändert sich

Inzwischen veränderten sich auch die Verhältnisse in Belgien. Katholisch geprägten Politikern gelang es, Einfluss auf die flämische Bevölkerung zu nehmen und deren progressive Haltung etwas abzuschwächen, während sich der frankophone Landesteil eher weiter radikalisierte. Die Französische Revolution von 1848 tat ihr übriges und der belgische Staat blieb alarmiert.

Revolutionäre Tendenzen blieben hier weitgehend aus, was auch der eher liberalen Verfassung geschuldet war. Marx aber verfasste in diesen Tagen eine ganze Reihe von radikalen Schriften und fiel damit bei den Brüsseler Behörden in Ungnade. Kurzzeitig saß er im Gefängnis und noch im gleichen Jahr musste er Belgien verlassen. Zunächst kehrte er nach Paris zurück um danach bis zu seinem Tode 1883 in London zu leben.

Das Brüssel von Karl Marx

Die meisten Orte, an denen Karl Marx mit seiner Frau und seinen Kindern gelebt hatte, gibt es heute nicht mehr. Die Gebäude sind mittlerweile abgerissen und mussten Neubauten weichen. Orte, an denen er seine Thesen propagierte, sind ebenfalls kaum noch vorhanden. Ein wichtiges Gebäude im Brüsseler Leben von Karl Marx aber ist heute noch zu sehen. Das ist „Der Schwan“, eines der Edward de Maesschalk Gildehäuser am „Großen Markt“ in Brüssel.

Hier trafen sich Marx und der „Deutsche Arbeiterverein“, so Edward de Maesschalk gegenüber der Brüsseler Nachrichtenplattform BRUZZ. Mittwochs gab es hier am Abend Lesungen und an Sonntagen kam es hier regelmäßig zu unterhaltenden Veranstaltungen, an denen auch Frauen teilnehmen durften. Ob Marx hier aber aktiv an seinem „Kommunistischen Manifest“ gearbeitet oder geschrieben hat, bleibt bis heute ein Geheimnis. Auch Edward de Maesschalk fand keine Hinweise darauf, dass hier an diesem bahnbrechenden Werk geschrieben wurde…

Am Samstag, den 12. Mai, führt Edward de Maesschalk durch das Brüssel von Karl Marx. Veranstalter dieser geführten Wanderung ist das Goethe-Institut in Brüssel. Die Teilnahme ist kostenlos, doch das Institut bittet um Anmeldung: www.goethe.de.