Bpost "unter Strom"

Bpost kämpft mit großen Problemen. Viele Mitarbeiter sind unzufrieden. Und was sagt Bpost-Chef Koen Van Gerven dazu? In einem Interview in De Tijd vom Wochenende gibt Van Gerven Antworten.

Das Postunternehmen Bpost mit seinen 27.000 Mitarbeitern ist einer der größten Arbeitgeber des Landes. Der Briefverkehr ist schneller zurückgegangen als erwartet, die Übernahme des amerikanischen E-Commerce-Unternehmens Radial, für den Bpost letztes Jahr 700 Millionen Euro zahlte, enttäuscht und das Personal stöhnt unter dem großen Arbeitsdruck. Nach den schwachen Quartalszahlen erlitten die Aktionäre noch eine Niederlage.  Die Aktien der Bpost werden an der Euronext Brüssel gehandelt und sind im BEL20 enthalten. Der BEL20 machte einen Aktienkurs-Verlust von knapp 2,4 Milliarden Euro in sechs Wochen. "Wir brauchen eine Perspektive", wird der Bpost-Chef Koen Van Gerven in der Zeitung De Tijd zitiert.

Man befinde sich auf einem brennenden Deck, die Alarmglocken läuteten. Man müsse jetzt die Umsetzung dessen, was man vorbereitet habe, beschleunigen. "Wir haben uns zum Beispiel nach einer anderen Art der Postzustellung umgesehen."

Der (zu) hohe Preis der Übernahme von Radial erklärt der Bpost-Chef wie folgt: Wir haben unsere Hausaufgaben so gut wie es geht gemacht und einen üblichen Preis für ein Unternehmen gezahlt, das im E-Commerce-Sektor tätig ist. Man kann immer über den Preis diskutieren. Niemand, der ein Unternehmen übernimmt, ist der Meinung, dass das ein Spaziergang sei. Natürlich gibt es Dinge, bei denen ich 'ai ai ai' denke, aber ich gerate nicht in Panik. Solch eine strategische Übernahme nach vier Monaten zu evaluieren, macht überhaupt keinen Sinn."

Weiter betont Van Gerven: "Große Veränderungen sind nie leicht. Wer behauptet, meinen Job ohne einen einzigen Schock ausführen zu können, ist 'kindly invited'."

Mangelhaftes neues Postsortierzentrum

Das nagelneue Postsortierzentrum Brüssel X kann keine großen Pakete mit Rasenmähern oder Grillgeräten sortieren. Ist das nicht unprofessionell?

Van Gerven: 'Als wir diese Maschine 2012 entwarfen, haben wir Hypothesen vom Umfang der Päckchen, die wir bekommen würden, gemacht. Damals rechneten wir mit Schuhen, Kleidern,CDs und weiteren Dingen, aber nicht mit Grillgeräten. Seither hat sich viel verändert." Die Folge: Jetzt müsse mehr Personal eingesetzt werden als vorgesehen.

Immer wieder ist auch zu hören, dass der Arbeitsdruck zu hoch und es nicht sehr angenehm sei, für das Unternehmen zu arbeiten. Van Gerven tut diese Behauptung offenbar ab: Bei Bpost könne man sich im Gegensatz zu anderen Postunternehmen mit einem Job wie Postbote weiterentwickeln. "Wir geben oft Vollzeit-Verträge. Das ist im Ausland häufig nicht der Fall." Die Post investiere in das Wohl ihrer Mitarbeiter.

Klagen gehen vor allem über den hohen Arbeitsdruck der Mitarbeiter ein. Die Postzustellungsrouten der Briefträger würden so korrekt wie möglich berechnet, meint Van Gerven. Doch es stimme, dass dieses Modell ein auslaufendes sei. Ein neues Modell sei notwendig geworden.

Ob die tägliche Postzustellung noch zeitgemäß sei, lautet die Frage. Van Gerven schließt nicht aus, dass das Angebot der Post bis Ende 2019 anders aussehen werde. Der Kunde wolle eine Zustellung innerhalb von zwei oder drei Tagen. "Wir werden noch immer die Möglichkeit anbieten, um fünf Tage in der Woche einen Brief innerhalb eines einzigen Tages zuzustellen. Wie wir das machen, ist unsere Sache. Das gleiche Dienstleistungsangebot bleibt bestehen. Wir werden nicht die Niederlande nacheifern. Dort ist die Zustellung an Montagen gestrichen."

Veränderungen bei der Postzustellung

Wie wird die künftige Zustellung denn dann aussehen? Schauen Sie nach Dänemark. Dort wird jeden Tag nur eine Seite der Straße beliefert. Nur für die, die eine Zustellung innerhalb eines Tages wollen und mehr bezahlen, überquert der Postbote die Straße. Es gibt aber auch noch andere Modelle.

Ein gestaffelter Preis sei die Lösung, schließlich liege der Preis für Briefmarken in Belgien unter dem europäischen Durchschnitt so Van Gerven noch.