Infrabel: "Verspätungen? Siemens ist schuld"

Infrabel, der Infrastrukturdienstleister der belgischen Bahn, wirft dem deutschen Bahnhersteller Siemens vor, verantwortlich für fast zwei Stunden Verspätung pro Tag verantwortlich zu sein. Täglich würden Störungen im von Siemens entwickelten Signalsystem in den Lokomotiven vorkommen, wodurch Züge stehen bleiben müssten.

Siemens sei wohl nicht fähig, die Probleme, die die Zugbeeinflussungssysteme, die den Lokführer mit einer Vielzahl automatischer Funktionen, überwachen alle Fahrzeugbewegungen unterstützen und die betriebliche Informationen übertragen können zu lösen, so Infrabel.

Offenbar bleiben Züge an Roten Signalen stehen, die eigentlich nach der Passage eines davor passierten Zuges auf Grün gestellt sein müssten. Dazu befinden sich entlang der Gleise Sender, die Informationen an den Zug übermitteln. An den Lokomotiven sind entsprechende Datenempfänger angebracht.

Laut Infrabel habe das Siemens-System in den ersten drei Monaten des Jahres mit 125 Störungen rund 9.000 Minuten Verspätung ausgelöst, etwa 1 Stunde und 40 Minuten pro Tag – doppelt so viel, wie im gleichen Vorjahreszeitraum. Seit vier Monaten dränge Infrabel bei Siemens auf eine Lösung des Problems, so Frédéric Petit, der Sprecher des Gleisinfrastruktur-Dienstleisters der Bahn: „Wir verlangen einen Aktionsplan, denn die Fahrgäste sind hier die Leidtragenden.“

Siemens gibt in einer ersten Reaktion zu, dass man von dem Problem Kenntnis habe und kündigte an, gemeinsam mit Infrabel einen Stufenplan zu haben, um das Problem in den Griff zu bekommen. Wann aber dieser Plan greifen wird, wurde nicht mitgeteilt.

Riesenauftrag der belgischen Bahn für Siemens

Siemens hat vor einigen Jahren von der belgischen Bahngesellschaft NMBS/SNCB einen Auftrag zur Erstellung eines Bahnsicherungssystems auf Basis des europaweit zur Anwendung kommenden ETCS-Systems erhalten.

4000 Signale wurden dazu mit Komponenten für das belgische Zugbeeinflussungssystem TBL1+ und für das neue standardisierte europäische Zugbeeinflussungssystem ETCS (European Train Control System) ausgestattet.

Der Auftrag umfasst neben den Komponenten auch Projektierungs- und Montageleistungen sowie einen Instandhaltungsvertrag über 20 Jahre. Dies ist der größte Auftrag, den Siemens bislang für ein ETCS-System erhalten hat.