Kritik an der Ausbildung von Imamen in Belgien

Das staatliche belgische Koordinationszentrum für Bedrohungsanalyse (OCAD) äußerte schwere Kritik an der Ausbildung für Imame in Belgien. In der Großen Moschee von Brüssel (Foto) und in anderen islamischen Gotteshäusern wird aus einem Buch gelehrt, das eine radikale Form dieser Religion propagiert, so das OCAD, das einmal mehr vor Radikalisierung warnt.

Laut einem Bericht des OCAD wird im Rahmen der Ausbildung von Imamen im islamischen Kulturzentrum in Brüssel in der Großen Moschee aus einem Handbuch gelehrt, in dem der bewaffnete Dschihad eine wichtige Rolle spielen soll, zumindest aber eine radikale Form des Islam.

Außerdem rufe dieses Handbuch zu Antisemitismus und zur Verfolgung von Homosexuellen auf. Dieses salafistische Handbuch soll auch in anderen Moscheen oder islamischen Kulturzentren kursieren.

Die Große Moschee in Brüssel ist vor rund zwei Monaten in die Hände einer Stiftung übergegangen, weil die belgische Bundesregierung nach ähnlichen Vorwürfen auch im Zusammenhang mit der Rekrutierung von radikalislamischen Kämpfern den Erbpachtvertrag mit Saudi-Arabien für das Zentrum aufgekündigt hatte.

Warnung aber auch positive Entwicklung

Das OCAD hat einen neuen Bericht vorgelegt, der nach den Resultaten des parlamentarischen Ausschusses zur Aufarbeitung der Anschläge auf Belgien im Mai 2016 erforderlich wurde. Übrigens hatte dieser Ausschuss seinerzeit der Regierung dringend empfohlen, die Große Moschee in Brüssel wieder in die eigene Verantwortung zu nehmen.

Der aktuelle OCAD-Bericht warnt davor, dass in weiten Kreisen der moslemischen Welt in Belgien weiter versucht werde, einen gemäßigten Islam zu verdrängen.

Doch, so der Antiterrorstab, zeigte sich auch eine positive Entwicklung. Eine neue Generation von Imamen in Belgien sei eher dem gemäßigten Islam zugetan und interpretiere den Koran und andere islamische Texte auf eine zeitgenössischere und dynamischere Art und Weise.