Vorfall in Tihange - Verstoß gegen die Sicherheit

Die belgische Atomaufsichtsbehörde FANC und die Betreiber des Kernkraftwerks von Tihange bei Lüttich (Foto), Engie/Electrabel, haben einen Mitarbeiter vorerst befristet von seinen Aufgaben befreit. Der Mann hatte bei Unterhaltsarbeiten gegen die geltenden Sicherheitsvorschriften verstoßen. Der Vorfall wurde mit der Stufe 1 auf der INES-Skala bewertet.

Am 25. April meldete der Reaktor 2 in Tihange ein Problem mit den Sicherheitspumpen im nuklearen Teil der Anlage. Hintergrund dieses Vorfalls war die Idee eines Mitarbeiters, bei der Kontrolle von Sicherheitspumpen am Meiler 2 auch zusätzliche Checks durchzuführen. Dabei koppelte er die Sicherheitspumpen kurzzeitig ab.

Dies aber war nicht abgesprochen und auch nicht dem Kontrollraum vorab mitgeteilt worden, wie die Atomaufsichtsbehörde FANC dazu meldete. Der Mitarbeiter hatte daneben unterlassen, nach seiner Kontrolle nachzuprüfen, ob die Sicherheitspumpen wieder ordnungsgemäß funktionierten.

Zwar habe der Mitarbeiter mit „gutem Willen“ gehandelt, doch er habe gegen strengste Sicherheitsvorgaben verstoßen und wurde für eine ganze Zeit von seinen Aufgaben entbunden. Der Mann muss zudem verpflichtet Sicherheitskursen folgen. Die Kontrollbehörde FANC stuft den Vorfall auf 1 in der INES-Skala (International Nuclear Events Scale) ein.

Damit wiegt dieser Vorfall schwerer, als das Leck im Meiler 1 des Kernkraftwerks Doel bei Antwerpen vor einigen Wochen, das „nur“ auf INES O eingestuft wurde. Hier flossen, wie jetzt offiziell mitgeteilt wurde, rund 6.000 Liter Wasser aus dem primären Kreislauf in Diel 1 aus, die allerdings innerhalb des Kraftwerks aufgefangen wurden.

"Keksfabrik"

Schon öfter wurde dem Personal im Kraftwerk von Tihange vorgeworfen, in Sachen Sicherheitsvorschriften eine gewisse „Lockerheit“ an den Tag zu legen. Eine Sprecherin der FANC sagte dazu, dass man in einem Kernkraftwerk alle Sicherheitsvorschriften genauestens befolgen müsse, schließlich sein ein Atomkraftwerk „keine Keksfabrik“.

Jodtabletten auch in Belgien verteilt

Rund zwei Monate nach dem Beginn einer Aufklärungskampagne der belgischen Bundesregierung im Falle eines Nuklearunfalls und den ersten Verteilungen von kostenlosen Jodtabletten gegen Schilddrüsenkrebs teilte das Krisenzentrum mit, dass rund eine halbe Million Bürger in unserem Land solche Pillen angefordert haben und dass diese Tabletten auch entsprechen Zugestellt worden sind.

Auch Apotheken verteilten solche Jodtabletten. Jodtabletten werden für ein Areal ausgegeben, das in einem Radius von 100 km um ein Kernkraftwerk liegt. Davon ist theoretisch das ganze Land betroffen, außer die Gemeinde Antoing in der Provinz Hennegau an der französischen Grenze.