Flandern: Pfand auf Dosen und Plastikflaschen?

Flanderns Umweltministerin Joke Schauvliege (CD&V) liegt in diesen Tagen ihrer Landesregierung ihren großen Abfallplan vor. Darin fordert die flämische Christdemokratin die Einführung von Pfand auf Dosen und Plastikflaschen. Dieses Vorhaben ist ein Teil von Schauvlieges Aktionsplan gegen wilden Müll und achtlos weggeworfenen Abfall. Die Ministerin will die Industrie mit in ihre Planungen einbeziehen.

Den Kampf gegen wilden Müll und weggeworfene Abfälle zu verstärken sei einer der Kernpunkte ihrer Politik, so Flanderns Umweltministerin Schauvliege (kl. Foto): „Darum lege ich einen Totalplan für Verpackungen vor. Wir wollen präventiv vorgehen, also darauf abzielen, dass weniger Verpackungen oder Plastik in den Handel kommen. Was doch auf den Markt kommt, muss auf eine verantwortungsvolle Art und Weise abgeholt werden.“

Konkret schlägt die Ministerin vor, auf Dosen und Plastikflaschen ein Pfand von 25 Eurocent zu erheben. Doch auch die Produzenten sollen zur Kasse gebeten werden, um diese Art Verpackungsabfall in den Griff zu bekommen. Dosen und Fläschchen haben einen Anteil von rund 40 % am wilden Müll im belgischen Bundesland Flandern.

Der Schauvliege-Plan sieht vor, dass sich die Industrie mit 0,5 Eurocent für Dosen und mit 1,5 Eurocent für Plastikflaschen an der späteren Abführung dieser Verpackungen beteiligt. Dieses Geld soll in einen „Verpackungsfonds“ fließen. Bisher trägt die Industrie in Flandern mit 10 Mio. € pro Jahr zu der Müllabfuhr und der späteren Wiederverwertung bei, während das Land den Kommunen jährlich über 150 Mio. € zu diesem Zwecke abverlangt.

James Arthur Photography

Die Bevölkerung ist offen für ein "Dosenpfand"

Klar ist, dass weite Teile der Bevölkerung für einen solchen Dosen- oder Flaschenpfand längt zu haben sind, wie eine entsprechende Studie des Verbraucherschutzbundes Test Aankoop vor einiger Zeit ergeben hat. Und viele flämische Städte und Gemeinden haben sich inzwischen der Bewegung „Plastikfreie Kommunen“ angeschlossen. Trotzdem bleibt Koalitionspartner N-VA ein Gegner eines Verpackungspfandgeldes.

Während die Nationaldemokraten hier eindeutig sind halten sich die Liberalen der Open VLD in dieser Frage eher zurück.

Der Müllplan von Umweltministerin Schauvliege befasst sich auch mit einer Kontrolle des Onlinehandels, denn Verpackungen aus Plastik und Metall kommen auch aus dem Ausland ins Land. Hier soll also auch der „E-Commerce“ mit in die Verantwortung genommen werden. Wie dies konkret vorgehen soll, bleibt aber unklar.

Deutlich ist, dass es auch der Plastiktüte an den Kragen gehen wird. Immer mehr Handelsketten, die in Flandern (und in Belgien) aktiv sind, verzichten auf die Plastikbeutel, in dem sie Papiertüten kostenlos auslegen und/oder an der Kasse wiederverwendbare Taschen zu einem kleinen Preis anbieten.