Erster Seidenrouten-Zug in Antwerpen angekommen

Am Samstag ist der erste Seidenrouten-Zug aus China im Hafen von Antwerpen angekommen. Der Zug brauchte für die rund 11.000 km lange Reise 16 Tage. Abfahrt war in der chinesischen Hafenstadt Tangshan. Der Containerzug fuhr danach über Kasachstan, Weißrussland, Polen und Deutschland in Richtung Antwerpen.

Luc Arnouts, Direktor für internationale Netzwerke beim Antwerpener Hafenbetrieb, sprach am Samstag gegenüber den Medien von einer gelungenen Initiative:

„Diese direkte Bahnverbindung setzt unseren Hafen auf die BRI-Karte (die chinesische ‚Belt and Road Initiative‘ (A.d.R.)) und wird das bestehende Band mit China noch verstärken. Wir beschäftigen uns schon lange damit und auch deshalb ist dies ein wichtiger Meilenstein in unseren Handelsbeziehungen mit China.“

Der Zug transportierte 34 Container, die u.a. mit industriellen Mineralien beladen waren, die z.B. in der Herstellung von Papier- und Keramikprodukten, aber auch von Zahnpasta und anderen Kosmetikartikeln gebraucht werden. Die Container werden bei Euroports im Antwerpener Hafen abgeladen, von wo aus sie weiter zu ihren Endabnehmern in Europa verbracht werden.

Zwei Züge pro Monat

Die chinesischen Betreiber des Zuges wollen ein bis zweimal pro Woche einen solchen Containerzug zwischen Tangshan City und Antwerpen einsetzen und die lokale Verwaltung der Stadt strebt sogar eine Verschwisterung der beiden Metropolen an.

Für Antwerpens Hafenschöffen Marc Van Peel (CD&V), der nach den Kommunalwahlen in diesem Jahr sein Amt abgibt, ist diese direkte Güterzugverbindung ebenfalls von größter Bedeutung: „China belegt den vierten Rang bei den wichtigsten Partnerländern für Antwerpen. Das Transportvolumen zwischen beiden Punkten liegt bei jährlich 14 Millionen Tonnen Waren und Gütern. Antwerpen liegt ideal, sowohl auf der maritimen Route, als auch auf der Eisenbahnroute zwischen China und Europa und unser Hafen kann perfekt als Umschlagshafen für den Handel zwischen China und Afrika auf der Schiene dienen.“

Rückfahrt über Gent

Der Zug wird auf seiner Rückfahrt nach China einen Zwischenstop in Gent einlegen, wo Container mit Neuwagen von Volvo aufgeladen werden.

Damit hat auch der Genter Hafen und speziell das zum chinesischen Autokonzern Geely gehörende Volvo-Werk ein zweites bahntechnisches Transportstandbein auf den Schienenweg nach China. Schon jetzt gibt es in einer ähnlichen Initiative eine zweite Bahnverbindung und zwar zwischen China und dem Hafen von Zeebrügge.

Die österreichische Bahngruppe LTE hat vom chinesischen Betreiber des Zuges den Auftrag erhalten, diesen auf europäischem Boden bzw. auf der normalspurigen Trasse zu befördern. LTE bringt den Zug von Malaszewicze an der Grenze zwischen Weißrussland und Polen nach Antwerpen, wo er auf der „letzten Meile“ von Lineas, der Logistik- und Gütertochter der belgischen Bahn NMBS/SNCB übernommen und zum Hub von Euroports gezogen wird.