Volkswirt: "Man gibt der Lufthansa ein Alibi…"

Eddy Van de Voorde, Professor und Volkswirt für Transportwirtschaft an den Universitäten von Antwerpen und Gent sowie der TU Delft in den Niederlanden, hat Bedenken bezüglich des Pilotenstreiks bei Brussels Airlines - zumindest zum jetzigen Zeitpunkt. Er stellt sich die Frage, wie das Lufthansa-Management in Frankfurt damit umgehen wird.

Gegenüber der VRT-Nachrichtenredaktion sagte er am Morgen, dass er zwar Verständnis für die Haltung der Flugkapitäne habe, doch der Zeitpunkt des Ausbruch des Sozialkonflikts bei der belgischen Fluggesellschaft sei denkbar schlecht gewählt:

„Gerade zu einem Zeitpunkt des Übergangs, zu dem die Lufthansa zu 100 % Kontrolle über Brussels Airlines übernimmt und zu einem Zeitpunkt, zu dem die Lufthansa ankündigt, dass sie Eurowings für besonders wichtig hält, aber Brussels Airlines eine gewisse Autonomie zugestehen will, ist der Zeitpunkt gänzlich unpassend. Wenn man dann streikt, riskiert man den Deutschen ein Alibi zu geben, um von gemachten Versprechungen wieder abzurücken. Ich würde nicht gerne zusehen, wenn Brussels Airlines ein Stück seiner Selbstbestimmung in Richtung Düsseldorf oder Frankfurt verliert.“

Trotz dieser Bedenken zeigt der Volkswirt durchaus auch Verständnis für die Lage der Piloten. Van de Voorde sagte, dass hier wahrscheinlich tatsächlich ein Ungleichgewicht zwischen Berufs- und Privatleben vorliegt: „Und was das Gehalt betrifft, haben die Piloten einige Male auf eine Lohnerhöhung verzichtet, um ihrem Unternehmen dabei zu helfen, zu wachsen. In einem bestimmten Augenblick wird dies wohl alles zu viel.“

Ähnlich äußerte sich der frühere belgische Staatssekretär für Mobilität, Etienne Schouppe (CD&V), am Sonntag in der VRT-Talksendung „De zevende dag“ („Der siebte Tag“). Auch er hält den Zeitpunkt des Streiks für ungeeignet (siehe nebenstehenden Beitrag).