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Belgiens Außenminister pocht auf unabhängige UN-Untersuchung, Botschafterin spricht von Terroristen

Nach dem Blutvergießen am gestrigen Montag im Gazastreifen an der Grenze zu Israel ist zu befürchten, dass es am heutigen Dienstag erneut zu Gewalt in den palästinensischen Gebieten kommt. Dort wurden mehr als 50 Palästinenser erschossen. Die Gewalt ist eine Reaktion auf die Verlegung der amerikanischen Botschaft nach Jerusalem. Der UN-Sicherheitsrat wird an diesem Dienstag in einer Dringlichkeitssitzung über die Lage beraten. Belgiens Außenminister Didier Reynders will eine unabhängige Untersuchung der Situation durch die UN.

Belgiens Außenminister Didier Reynders spricht von unverhältnismäßiger Gewalt von Seiten Israels und verweist gleichzeitig auch auf die Schuld der Palästinenser-Organisation Hamas. Nach Auffassung von Reynders sei es nun an der Europäischen Union, mit einer einzigen Stimme zu sprechen.

"Jetzt müssen wir sichergehen, dass es für die Europäische Union möglich ist, eine Rolle zu spielen. Ohne eine Europäische Union mit einer einzigen Stimme ist es unmöglich, Einfluss in der Region auszuüben. Ich befürchte, dass es mit einem derartig einseitigen Vorghen der VS, ohne tatsächliche Rolle der EU, unmöglich wird, erneut in einen Dialog zu treten", sagte Reynders (kleines Foto) im VRT-Radio an diesem Dienstagmorgen.

Offenbar haben die Vereinigten Staaten am Montagabend eine Erklärung des UN-Sicherheitsrates, in welcher eine unabhängige Untersuchung der Gewalt im Gazastreifen gefordert werden sollte, blockiert.

In Israel wurde am gestrigen Montag der 70. Jahrestag seiner Staatsgründung gefeiert, am heutigen Dienstag begehen die Palästinenser den Tag der "Nakba". Sie gedenken der Flucht und Vertreibung Hunderttausender im Zuge der israelischen Staatsgründung 1948. Heikel war deshalb auch der Termin der umstrittenen Eröffnung der US-Botschaft in Jerusalem am gestrigen Montag. Es kam zu massiven Zusammenstößen zwischen Palästinensern und der israelischen Armee.

Israel sieht bereits ganz Jerusalem als seine Hauptstadt. Die Palästinenser sehen hingegen in dem 1967 von Israel eroberten Ostteil die Hauptstadt ihres künftig eigenen Staates. Die internationale Gemeinschaft drängt auf Verhandlungen beider Seiten über einen möglichen Grenzverlauf.

Botschafterin: "Getötete Palästinenser sind Terroristen"

Die israelische Botschafterin in Belgien, Simona Frankel (kleines Foto), betont, dass die palästinensischen Toten, die gestern bei den Demonstrationen im Gazastreifen fielen, allesamt Terroristen seien. Frankel sagte das im französischsprachigen Sender RTBF.

"Ich bedauere alle Toten, sogar die 55 Terroristen, die versuchten, über die Grenze zu kommen." Mit diesen Worten reagierte die israelische Botschafterin in Belgien auf die gestern von der israelischen Armee getöteten Palästinenser, die gegen die Eröffnung der amerikanischen Botschaft in Jerusalem demonstrierten.

Unter den Toten sind auch Kinder und Babies. Sieht sie diese auch als Terroristen, frug der Journalist. Frankel: "Die Menschen bringen ihre Kinder und Babies mit zur Demonstration in die Grenzregion, die alles andere als ruhig verläuft. Es ist die terroristische Gruppierung Hamas, die die Bevölkerung geiselt und sie in den Tod schickt. Hamas allein ist für ihren Tod verantwortlich."

Zur Verurteilung Reynders, dass die israelische Armee mit unverhältnismäßiger Gewalt vorgegangen sei, sagte Frankels: "Ich verstehe das Wort 'unverhältnismäßig' nicht. Müssen erst Tote auf israelischer Seite fallen, damit wir von verhältnismäßig sprechen können?"

Unterdessen hat Außenminister Didier Reynders die israelische Botschafterin einbestellt.