Berufung: Der Schlossmord wird wieder aufgerollt

Der Prozess, der sich mit dem sogenannten „Schlossmord“ befasste und bei dem die Verdächtigen zu hohen Haftstrafen verurteilt wurden, muss ganz neu aufgerollt werden. Sowohl zwei der Angeklagten, als auch die Staatsanwaltschaft Brügge legten Berufung ein. Der Fall, ein Mord an einem Schlossbesitzer, der gleichzeitig ein Familiendrama ist, hält Flandern schon lange in seinen Bann.
Foto Kurt

Stijn Saelens, der Schlossherr von "Kasteel Wingene" bei Brügge, war am 31. Januar 2012 in seinem Schloss erschossen worden. Seine Leiche wurde einige Tage später auf dem Grundstück eines Mitverdächtigen entdeckt.

Mitte April wurde André Gyselbracht, der Hauptverdächtige in diesem Fall, zu 27 Jahren Haft verurteilt. Er gab den Auftrag zu dem Mord. Gyselbrechts Freund, Pierre Serry, der als Zwischenperson bei der Suche nach Auftragsmördern behilflich war, wurde zu 21 Jahren Haft verurteilt. Zwei weitere Verdächtige, beide niederländische Staatsbürger, wurden zu Haftstrafen von 15 bzw. 27 Jahren verurteilt.

Kurz nach dem Urteil legte André Gysenbrecht Berufung ein und etwas später auch einer der beiden niederländischen Angeklagten. Jetzt legt auch die Staatsanwaltschaft Brügge Berufung ein und zwar gegen alle vier Verurteilten. Das bedeutet, dass der gesamte Prozess wieder aufgenommen werden muss und dass alle vier Angeklagten wieder vor einen Richter zitiert werden.

Fünf Jahre hatten die Ermittler im Fall Schlossmord im Dunklen getappt. Ihnen war die ganze Zeit nicht gelungen herauszufinden, ob Gyselbrecht tatsächlich den Auftrag zum Mord an seinem Schwiegersohn gegeben hatte. Am Ende des ersten Prozesstages in Brügge, am 3. Mai 2017, gestand er und begründete dies unter anderem mit den Worten: „Es war das ultimative Rettungsmittel, die letzte Chance, meine Enkelkinder nach Inzestvorfällen zu retten.“

Das Mordopfer, Stijn Saelens, der Bewohner des Schlosses von Wingene, hatte vor, mit seiner Familie nach Australien auszuwandern. In der Familie seiner Frau herrschte bereits seit einiger Zeit die Vermutung, Saelens vergreife sich sexuell an seinen Kindern. Doch die Polizei legte Anzeigen offenbar zu den Akten und Gyselbrecht sah wohl nur einen Weg, seine geliebten Enkel vor ihrem eigenen Vater zu schützen: Die Beseitigung des Mannes.