Pflegesektor braucht jährlich 46.000 neue Leute

Der Pflegebereich im belgischen Bundesland Flandern braucht bis 2026 pro Jahr bis zu 46.000 neue Personalmitglieder. Dies hat vor allem zwei Gründe. Das ist zum einen die Vergreisung der Gesellschaft und zum anderen die Tatsache, dass in den kommenden Jahre viele Mitarbeiter von Krankenhäusern, Altenheimen oder aus der Kleinkind- oder Behindertenbetreuung in Rente gehen.

Verso, der Dachverband der Arbeitgeber im Pflegebereich, bittet dringend um einen „globalen Aktionsplan“, andernfalls könnte dieser Bereich der Dienstleistung seinen Ansprüchen und seinen Aufträgen nicht mehr nachkommen. Es droht also ein Pflegenotstand in Flandern, wie eine Analyse von Verso belegt. Die Sorgen sind groß, was die Zahl der dringend benötigten zusätzlichen Mitarbeiter unterstreicht.

In den vergangenen fünf Jahren war der Personalnotstand bei weitem nicht so groß und es wurden jährlich „nur“ rund 36.000 neue Kollegen gesucht. Doch bei einem Stand von etwa 400.000 Beschäftigten in diesem Dienstleistungsbereich mutet auch diese Zahl entmutigend an. Und entmutigt sind die Verantwortlichen im Pflegesektor in Flandern wohl gerade.

Die Gründe für dieses zunehmende Problem sind hierzulande mannigfaltig: Zum einen hinterlässt die Vergreisung ihre Spuren. Derzeit kommen in Flandern auf 10 Bürgern über 55 Jahre nur noch 6 jüngere Menschen im Arbeitsverhältnis. Hier nimmt der Pflegebedarf also weiter zu. In den Städten ist ein anderes Problem akut. Hier werden händeringend Mitarbeiter in der Kinderbetreuung gesucht. Hier sorgen Alleinerziehung, allgemein geforderte Flexibilität am Arbeitsplatz, Krankheiten (Stichwort Burn out) und eine zunehmende Diversität für einen stetig steigenden Bedarf, so Verso.

Auch Pflegerinnen und Pfleger gehen irgendwann in Rente

Nicht zuletzt zeigt sich auch beim Personal im Pflegebereich selbst eine Vergreisung. In den kommenden Jahren gehen viele erfahrene Mitarbeiter aus den verschiedensten Pflegebereichen selbst in Rente. Hinzu kommt noch, dass auch nicht wenige Mitarbeiter diesen Berufszweig wieder verlassen, weil sie dem Arbeitsdruck auch durch ständigem Personalmangel auf Dauer nicht mehr standhalten können.

Der Ruf von Verso nach einem globalen Plan, um darauf zu reagieren, betrifft viele verschiedene Zuständigkeiten. Darunter fallen die Landesministerien für Arbeit, für Soziales und Wohlfahrt, für Gesundheit, für Bildung (auch Nachwuchs ist gefordert).

Und, der Arbeitgeberverband im flämischen Pflegesektor ist der Ansicht, dass man breiter nach Bewerbern suchen solle, z.B. unter den Einwanderern, unter Personen mit leichter Behinderung, unter Personen mit geringer Ausbildung (Umschulungen und Zusatzausbildung) usw. Die Landesregierung habe viel geleistet, so Verso, vor allem im Bereich Infrastruktur. Jetzt aber müssen auch die Menschen folgen, die in dieser Infrastruktur arbeiten können (und sollen).