Tod Mawda: Premier verspricht Aufklärung

Polizei und Staatsanwaltschaft müssen in völliger Unabhängigkeit herausfinden, wieso bei einem Polizeieinsatz das zweijährige kurdische Flüchtlingsmädchen Mawda durch eine verirrte Polizeikugel ums Leben kommen konnte. Das hat Belgiens Regierungschef Michel (Foto) in verschiedenen französischsprachigen Medien versprochen.

Das zweijährige kurdische Mädchen Mawda starb in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag bei einer Verfolgungsjagd in Maizières bei Mons. Sie war mit ihren Eltern in einem Van voller illegaler Migranten unterwegs nach Großbritannien. Sie starb an einer verirrten Polizeikugel. Die Staatsanwaltschaft und die Polizei-Aufsichtsbehörde haben eine Untersuchung eingeleitet. Es ist noch unklar, wann ihr Bericht vorliegen wird.

Belgiens Premierminister Michel reagierte am Sonntag auf diese Ereignisse. Er betonte gegenüber der RTBF, der öffentlich-rechtlichen, französischsprachigen Rundfunkanstalt Belgiens, dass die Untersuchung "unabhängig durchgeführt wird und bis zum Äußersten gehen wird, um die wahren Fakten aufzuklären". "Denn das ist wichtig für die Demokratie, die unser Land ist. Ein Kind unter diesen Umständen zu verlieren, ist eine Tragödie, ein Drama. Deshalb bin ich in Gedanken bei der Familie des Kindes. Ich denke insbesondere auch an die Polizisten, die an diesem Vorfall beteiligt waren“, so Premier Michel.

Derzeit sei kein Treffen zwischen Mitgliedern der Regierung und der Familie des Mädchens geplant. Sollte es hierzu kommen, werde dies in aller Diskretion geschehen, ohne Kameras, so Michel.

Fall nicht politisch instrumentalisieren

Michel appellierte auch an die Politik: "Jeder in der Mehrheit und in der Opposition sollte Respekt zeigen" und keine voreiligen Schlüsse ziehen. "Ich lehne jede Form der politischen Instrumentalisierung ab", sagt er. Im französischsprachigen Belgien forderte Ecolo (Grüne) unter anderem die Entlassung von Innenminister Jan Jambon (N-VA) und Staatssekretär für Asyl und Migration Theo Francken (N-VA). Die französischsprachigen Liberalen MR, die Partei von Premierminister Michel sind der Ansicht, die französischsprachigen Grünen machten sich des "Linkspopulismus" schuldig.

Jambon, der für die Polizeikräfte zuständig ist, hat bereits gesagt, dass er die endgültigen Ergebnisse abwarten will, aber gleichzeitig weist der Innenminister auf die "immer dreisteren Bedingungen hin, unter denen der Menschenhandel gedeiht und die Schleuserbanden operieren". Er habe Mitgefühl für die Opfer, aber auch für seine Polizisten. "Sie haben ihre Arbeit getan und müssen jeden Tag gegen die Schleuser kämpfen", sagte Jambon.