Ausgrabungen: Die "Höhe 80" ist eine Fundgrube

Seit Mitte April werden bei den Ausgrabungen rund um die deutschen Stellungen der sogenannten „Höhe 80“ aus dem Ersten Weltkrieg bei Wijtschate in Westflandern zahllose historische Gegenstände ans Tageslicht gefördert. Die Archäologen stoßen aber auch immer wieder auf die sterblichen Überreste von damals gefallenen Soldaten. 67 Leichen wurden bisher schon ausgegraben.

Die Archäologen, die diese Ausgrabungen, die übrigens über ein internationales Crowdfunding finanziert werden, hofften in den alten Schützengräben der deutschen Armee wertvolle und für die Geschichte des Ersten Weltkrieges auf den ehemaligen Schlachtfeldern in der „Westhoek“ wichtige Elemente freilegen zu können. Doch neben den Fundamenten einer alten Mühle fanden sie auch ein weitgehend noch intaktes Kellersystem aus drei is vier Kellern und mindestens einem Bunker, der auf ein Hauptquartier der Deutschen schließen lässt.

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Die Anlagen blieben seit dem Ende des Ersten Weltkriegs quasi unangetastet und müssen erst jetzt einem Wohnungsbauprojekt weichen. Die Archäologen und Historiker haben 60 Tage lang Zeit für ihre Ausgrabungen. Schon jetzt, nach noch nicht einmal der Hälfte der veranschlagten Zeit, stießen sie auf die Leichen von 67 gefallenen Soldaten und auf rund 1.500 Gegenstände aller Art. Darunter sind z.B. Granaten (Fotos unten), um die sich der Kampfmittelräumdienst Dovo der belgischen Armee kümmert.

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Einer der bisher freigelegten Keller ist in seinem Inneren mit weiteren Ziegelwänden verstärkt worden, was auf einen Bunker schließen lässt. Damit hatten die an der Ausgrabung beteiligten Historiker und Archäologen nicht gerechnet. Die meisten anderen Funde und auch die hohe Zahl an Gefallenen wurden allerdings im Vorfeld der Arbeiten bereits vermutet. Jetzt aber verstreicht die Zeit.

Bis zum Ende der Bauferien in Belgien müssen die Ausgrabungen spätestens beendet werden, denn danach beginnen die Bauarbeiten für ein dort entstehendes Neubaugebiet. Die eigentlichen Schützengräben sind durch ihre Errichtung aus Holz wohl in einem schlechteren Zustand als die Kelleranlagen. Deshalb können diese Ausgrabungen wohl auch schneller beendet werden.

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Die Archäologen hoffen aber noch im Stillen, dass die „Höhe 80“ wegen ihrer Besonderheit doch noch erhalten und unter Denkmalschutz gestellt werden kann. Eigentlich wird hier alles verschwinden, doch ob eine Rettung dieses Teils der Geschichte und des Kulturerbes doch noch möglich ist, muss die Politik bestimmen. Die Gegend um Wijtschate herum jedenfalls ist ländlich und weitläufig. Dort ein geeignetes Gelände für eine Neubausiedlung zu finden, dürfte so schwierig nicht sein…