Fall Mawda: Wo sind die anderen Jugendlichen?

In dem Kleinbus, in dem in der vergangenen Woche die kleine Mawda (2) aus Kurdistan durch eine Polizeikugel ums Leben kam, befanden sich nach jüngsten Erkenntnissen auch drei minderjährige Jugendliche. Diesen wurde allerdings von den Behörden keine Aufmerksamkeit geschenkt. Nach zwei Tagen in Polizeigewahrsam wurden sie laufen gelassen. Damit wurde gegen essentielle Verpflichtungen in Sachen Kinder- und Jugendschutz verstoßen.
Archivfoto

Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, auch solche, die sich illegal in unserem Land aufhalten, stellt der belgische Staat unter Schutz. Die zuständigen Polizeibeamten, die auf solche Kinder oder Jugendliche stoßen, müssen sofort den Vormundschaftsdienst der Bundesjustizministeriums einschalten. Dies wurde allerdings nach dem Drama bei Mons (Provinz Hennegau) letzte Woche flagrant missachtet.

Polizei und Justiz müssen sich in diesem Fall schwere Vorwürfe gefallen lassen, unter anderem vom Kindersuchwerk Child Focus, vom belgischen Kommissar für Kinderrechte und von führenden Mitgliedern verschiedenster Jugendämter in Belgien. Man wirft den betroffenen Polizisten vor, sie hätten die Kinder zurück in die Arme der Menschenschmuggler gebracht. Der Fahrer des Fluchtautos wurde ebenfalls wieder freigelassen.

Dünkirchen

Mitglieder eines sozialen Hilfsvereins für Flüchtlinge aus Flandern fanden in Begleitung von Journalisten der flämischen Tageszeitung De Morgen zwei der drei Minderjährigen, die Ende letzter Woche in dem Kleinbus waren, den die Polizei von Mons mit Schüssen zum Halten zwang, in einem illegalen Lager bei Dünkirchen in Nordfrankreich (Archivfoto). Vom dritten Jugendlichen fehlt jede Spur.

Belgiens Justizminister Koen Geens (CD&V) führte dieses Fehlverhalten auf die Stresssituation vor Ort zurück, schließlich habe dort ein Polizist ein Kind mit einem Schuss getötet. Doch alle Insassen des Kleinbusses der Menschenschmuggler hatten das Wochenende in Gefängniszellen verbracht. Dort, so die Kritiker, hätte man spätestens beim Versuch, die Identität der Personen herauszufinden, auf die drei Jugendlichen aufmerksam werden müssen.

Zu ihrer Verteidigung gab die Staatsanwaltschaft von Mons an, man habe die Jugendlichen nicht befragen können, da kurzfristig keine Übersetzer für Kurdisch/Türkisch und Afghanisch zu finden waren.