Mawda: Polizist wollte einen Reifen treffen

Der Polizist, der vor knapp zwei Wochen bei der Verfolgung eines Kleinbusses mit Flüchtlingen an Bord das 2 Jahre alte kurdische Mädchen Mawda erschossen hatte, wollte den linken Reifen des Wagens treffen, um diesen zum Anhalten zu bringen. Dies teilte dessen Anwalt am Donnerstag mit. Es sei nie die Absicht seines Mandanten gewesen, einen Menschen zu treffen.

Der Schuss, so die Aussage des Anwalts, habe sein Ziel verfehlt, als der Fahrer des verfolgenden Polizeiautos am Steuer plötzlich einen Ruck gemacht habe, um den verfolgten Wagen abzudrängen. Dadurch habe die Kugel aus der Polizeiwaffe Mawda getroffen und nicht den linken Vorderreifen des Fluchtautos.

Es sei nie die Absicht seines Mandanten gewesen, einen Menschen zu verletzen oder gar zu töten, so der Anwalt in einer Pressemitteilung. Damit äußert sich der betroffene Polizist über seinen Anwalt zum ersten Mal nach dem dramatischen Vorfall. Die verirrte Kugel traf letztendlich das kleine Flüchtlingskind am Kopf. Nach Angaben des Anwalt sei dies das erste Mal in 10 Jahren Dienstzeit gewesen, dass sein Mandant im Dienst zur Waffe gegriffen habe.

Am 17. Mai hatte die Polizei bei Saint-Ghislain (Provinz Hennegau) einen Kleinbus auf der Fahrt in Richtung Frankreich auf der Autobahn E42 stoppen wollen, in dem sich mehrere Flüchtlinge befanden, die wohl irgendwo einen Weg nach Großbritannien finden wollten. Doch der Wagen der Menschenschmuggler ignorierte die Halteaufforderung der Polizei und flüchtete in vollem Tempo.

Danach kam es in der Nähe von Mons (Provinz Hennegau) zum fatalen Ende einer Verfolgungsjagt. Zunächst hatte die Polizei noch versucht, die Sache zu vertuschen und erst nach und nach wurde deutlich, dass Mawda tatsächlich durch eine Polizeikugel ums Leben gekommen ist. Der Polizist ließ über seinen Anwalt mitteilen, dass er der Justiz für die Ermittlungen zur Verfügung stehe und dass er an der Aufarbeitung des Falls voll und ganz mitarbeiten wolle.