"In einem Handelskrieg gibt es keine Gewinner"

Auf die US-Entscheidung zu Importzöllen auf Stahl- und Aluminiumimporte aus der EU reagierte Belgiens Premier Charles Michel verärgert. In den VRT-Radionachrichten sprach er von einem schwarzen Tag für den freien Handel. Michel ist der Auffassung, dass Europa ein deutliches Zeichen in Form von Gegenmaßnahmen setzen müsse. Gleichzeitig will er eine Eskalation, die zum Handelskrieg zwischen Europa und den Vereinigten Staaten führen würde, vermeiden.

Ab dem heutigen Freitag ist europäischer Stahl, der in den USA eingeführt wird, 25 Prozent teurer, Aluminium kostet von nun ab 10 Prozent mehr. US-Präsident Donald Trump hatte die Zölle bereits im März verhängt, der EU aber eine vorläufige Ausnahme gewährt.

Der amerikanische Markt macht etwa 4 bis 5 Prozent des belgischen Stahlexportes aus. Mit den neuen Zöllen wird belgischer Stahl nun ein Stück weit teurer.

Europa bereitet nun Gegenmaßnahmen vor. "Wir stehen in Kontakt zur Europäischen Kommission, um Gegenmaßnahmen zu nehmen", betonte Premier Michel in der VRT. Eine Eskalation wolle man aber nicht, denn das wäre international und wirtschaftlich nicht gut. Man wolle vor allem zeigen, dass Europa respektiert werden müsse. Es sei inakzeptabel, dass wir unter Androhungen mit den Vereinigten Staaten verhandeln müssten.

Mit diesen Zöllen verstößt der amerikanische Präsident gegen bereits getroffene Vereinbarungen. Die Europäische Union will deshalb bei der WTO ein Verfahren einleiten. "Heute werden wir bei der Welthandelsorganisation rechtliche Schritte einleiten", so Marc Vanheukelen, der Botschafter der Europäischen Union bei der Welthandelsorganisation in Genf. "Denn wir sind ziemlich sicher, dass das gegen die Regeln des internationalen Handelsrechts verstößt."

Die Erhebung von Zusatzzöllen auf eine Reihe amerikanischer Produkte ist folglich unvermeidbar. "Eine solche Entwicklung in den USA bedarf zweifacher Reaktionen der Europäischen Union: Mehrere Zusatzölle auf amerikanische Produkte, aber auch besserer Beziehungen zu anderen Partnern", erklärte Belgiens Außenminister Didier Reynders.

Die Frage ist, ob dadurch die Situation nicht eher eskaliert und was dann die Folgen sein würden. "Sollte es zum Handelskrieg kommen, hätte das für alle negative Folgen", so Marcel Claes von der amerikanischen Handelskammer. Die schädlichen Auswirkungen wären für alle spürbar, zum Beispiel in Form von höheren Preisen für die Verbraucher und die Industriekunden. Das hätte auch negative Auswirkunge auf die Wirtschaft. Und eine langsamer wachsende Wirtschaft müsse vermieden werden, so Claes noch.

In einem Handelskrieg gebe es keine Gewinner, fasst Claes entschieden zusammen.

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