130.000 offene Stellen aber kaum Fachkräfte

Der sogenannte „Facharbeitermangel“ in Belgien sorgt inzwischen für absurde Zustände und wird auf Dauer zu wirtschaftlichen Problemen führen. Derzeit können rund 130.000 offene Stellen nicht besetzt werden und das bei rund 480.000 gemeldeten Arbeitslosen (Zahlen von 2017). Inzwischen lassen sieben von 10 Unternehmen wissen, dass ihre Entwicklung durch den Mangel an geeigneten Bewerbern gehemmt wird. Die Regierung sucht nach konkreten Maßnahmen.

Im Vergleich zwischen offenen Stellen und der Arbeitslosenquote schneidet Belgien derzeit innerhalb der Eurozone (die Gemeinschaft der EU-Mitgliedsländer, in denen der Euro die allgemeine Währung ist) am schlechtesten ab, so Bundesarbeits- und Wirtschaftsminister Kris Peeters (CD&V - kl. Foto) am Mittwochmorgen gegenüber der VRT-Nachrichtenredaktion.

Da sich die aktuelle Entwicklung auf dem belgischen Arbeitsmarkt so langsam als dramatisch entwickelt, behandelte bereits ein gemeinsames Treffen mit allen beteiligten Ministern aus Bund, Ländern und Regionen. „Keine einzige Regierung kann dieses Problem alleine lösen.“, so Peeters. Dies liegt an der Föderalisierung Belgiens.

In Sachen Arbeitsmarkt sind die Länder für die Arbeitsämter befugt, die Regionen sind für Aus- und Weiterbildung zuständig und die Bundesregierung trägt die Verantwortung über die Arbeit, die Wirtschaft und das Steuerwesen. Nach diesen Treffen gab Premierminister Charles Michel (MR) bekannt, dass die verschiedenen Regierungsebenen „einige Tage lang Zeit haben, konkrete Vorschläge vorzulegen“, aufgrund dessen ein Aktionsplan erarbeitet werde.

Situation hemmend für die wirtschaftliche Entwicklung

Diese Situation auf dem Arbeitsmarkt in Belgien wirkt sich inzwischen hemmend auf die wirtschaftliche Entwicklung der hiesigen Unternehmen aus. Das betrifft bei weitem nicht nur große Unternehmen, sondern viel mehr auch Firmen aus dem Mittelständischen. Laut einer Umfrage unter Unternehmen des HR-Dienstleisters Acerta werden sieben von 10 Betrieben durch den Mangel an geeigneten Arbeitskräften in ihrer Entwicklung gebremst.

51 % der betroffenen Unternehmen ist mittlerweile selbst dazu übergegangen, eigene Fachkräfte auszubilden. In 11 % der Fälle resignieren die Firmen und beenden die Suche nach geeigneten zusätzlichen Mitarbeitern. 19 % der Betriebe sucht neues Personal direkt im Ausland. Am Rande der Umfrage stellte Acerta fest, dass sich mittlerweile ein „Krieg um Talente“ zeige.

Die Arbeitgeber verlangen von ihrem Personal eine gewisse Flexibilität, doch durch diese Situation werden auch sie flexibler. Sie bieten Gleitzeit, Homeoffice und auch höhere Einkommen an. Doch ein Heil in einer fortgeschrittenen Automatisierung sehen die meisten Unternehmer nicht. Nur 15 % der produzierenden Wirtschaft in Belgien setzt auf Roboter. Das ist in diesem „post-industriellen“ Zeitalter, wie Acerta dazu schreibt, weniger als erwartet…