Nationalbank warnt vor günstigen Krediten

Immobilienkäufer können beruhigt sein: Die Zinsen für Hypotheken-Kredite sind nach wie vor niedrig. Aber der belgische Nationalbank-Chef Jan Smets (Foto) fordert, dass sich die belgischen Finanzinstitute der damit verbundenen Risiken bewusst sind.

Banken wissen, dass Kunden, die bei ihnen einen Hypotheken-Kredit aufnehmen, ihnen in der Regel sehr lange treu bleiben. Deshalb versuchen sie, potenzielle Kunden mit äußerst günstigen Angeboten für Immobiliendarlehen zu überzeugen. Die Nationalbank warnt vor den hiermit verbundenen Risiken, will diese aber auch nicht dramatisieren. "Ich denke, unser Immobilienmarkt ist gesund, aber es gibt einige Schwachstellen", sagte Gouverneur Jan Smets.

Nach der Finanzkrise 2008 florierte der belgische Immobilienmarkt weiter. Seit 2000 sind die Wohnungspreise inflationsbereinigt um fast 75 Prozent gestiegen. Käufer leihen sich immer mehr Geld, um den Traum vom Eigenheim zu finanzieren.

Die Hälfte der Kredite finanziert mehr als 80% des Immobilienpreises und in einem Drittel der Fälle mehr als 90%. Die durchschnittliche Kreditaufnahme stieg auf 160.000 Euro und die Schuldenquote der belgischen Haushalte lag mit 60 Prozent erstmals seit 45 Jahren über dem europäischen Durchschnitt von 58 Prozent.

Hypotheken-Kredite machen ein Fünftel der Bilanzsumme der Bankenbranche aus. Um sich gegen eine neue Immobilienkrise abzusichern, müssen die Banken seit Mai zusätzlich zu den bereits vorhandenen 900 Mio. Euro einen zusätzlichen Gesamtpuffer von 600 Mio. Euro zur Abdeckung von Hypothekenrisiken schaffen. "Wir bitten die Banken, etwas mehr Kapital beiseite zu legen, damit sie gegen Risiken auf dem Immobilienmarkt gewappnet sind", erklärt Smets.

NOVASTOCK / SUNSET